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Grossbritannien | 03.05.2008

Konservativer "Clown" wird Bürgermeister von London

 

Seine Gegner beschimpfen ihn als Leichtgewicht, Skandalnudel oder Clown. Doch die Mehrzahl der Londoner ließ sich selbst dadurch nicht vom Votum für den 43-jährigen Alexander Boris de Pfeffel Johnson abbringen.

 

Bisher ist Boris Johnson im britischen Politikbetrieb vor allem durch seine blonde Mähne, polemische Sprüche und private Eskapaden aufgefallen - nun muss er sich als Manager einer Weltstadt beweisen: Der 43-Jährige gewann die Bürgermeisterwahlen in London und drängte Kevin Livingstone von der regierenden Labour-Partei aus dem Amt.

Er werde sich "ins Zeug legen", um das entgegengebrachte Vertrauen zurückzuzahlen, kündigte der konservative Politiker nach seinem Sieg an. Und das wird er sich müssen, um seine Kritiker zu überzeugen. In seiner ersten Rede zeigte er jedenfalls Sinn für die Realitäten in der britischen Metropole: "Nicht für eine Minute glaube ich, dass diese Wahl aus London eine konservative Stadt gemacht hat", sagte Johnson.

Beliebtes Ziel: Fettnäpfchen

Von Herkunft und Ausbildung her genügt der rüpelhafte Johnson selbst bei versnobten Londonern höchsten Ansprüchen. Alexander Boris de Pfeffel Johnson, so sein voller Name, besuchte das Elite-College in Eton. Und sein Studium absolvierte der Upperclass-Spross in Oxford, wo er zusammen mit dem aktuellen Tory-Chef David Cameron auch die Freuden das Studentenlebens genoss.

Daten und Fakten zu Großbritannien
  
In der Vergangenheit polterte Johnson lautstark von einem Fettnäpfchen ins nächste: Nicht nur machte er mit außerehelichen Eskapaden von sich reden. Er bezeichnete auch Schwarze schon einmal als "Negerchen" mit "Melonengrinsen". In einem Kommentar über den Machtkampf bei Labour 2006 erklärte Johnson, dass ihn das alles an "Kannibalismus wie in Papua-Neuguinea" erinnere. Prompt protestierte der Pazifikstaat; Johnson musste sich einmal mehr entschuldigen, was er mit der ihm eigenen Lässigkeit tat: Er versprach kurzerhand, "Papua-Neuguinea auf meiner weltweiten Entschuldigungs-Landkarte zu verewigen".

Vom Clown zum Metropolen-Manager?

Für solche Sprüche lieben ihn seine Fans, für die er im ganzen Land nur einfach "Boris" ist. Ob das allerdings als Bürgermeister von London reicht, muss sich erst noch zeigen. Richtig viel politische Erfahrung hat der ehemalige Journalist und Herausgeber des konservativen Nachrichtenmagazins "The Spectator" jedenfalls nicht. Diesen Posten gab er auf, als sein Ex-Studienkollege Cameron ihn als Bildungsminister in sein Schattenkabinett berief.

Nun aber geht es nicht mehr um ein Wirken im Schatten, sondern um Agieren an vorderster Front. Dabei muss Johnson in den kommenden Jahren nicht nur das 14-Milliarden-Euro-Budget einer aus allen Nähten platzenden Millionenmetropole managen. Der exzentrische Edelmann wird sich wegen der Olympischen Spiele 2012 in der britischen Hauptstadt auch auf internationalem Parkett beweisen müssen. (wga)

 
 

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