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Medien | 14.03.2008

Chancen und Grenzen des Online-Journalismus

 

Was bedeutet Online-Journalismus für die Pressefreiheit? DW-WORLD.DE unterhielt sich am Rande einer Konferenz zu dem Thema mit Michael Rediske, Vorstandssprecher von 'Reporter ohne Grenzen'.

 

DW-WORLD.DE: Herr Rediske, wie hat der Aufstieg des Journalismus im Internet aus den Augen ihrer Organisation die Pressefreiheit generell beeinflusst?

Michael RediskeBildunterschrift: Michael Rediske

Michael Rediske: Er hat Spielräume geschaffen für Menschen, Journalisten oder auch Aktivisten, die sich vorher nicht artikulieren konnten. Die Eintrittschwelle in die Medienproduktion ist gesunken. Heute kann man mit weniger Mitteln anfangen zu bloggen und kann leichter auch über Staatsgrenzen hinweg Informationen senden oder empfangen. Auf der anderen Seite hat es die Behörden und Regierungen aktiviert, die an oppositionellen Medien und Gruppierungen kein Interesse haben. Die bedienen sich heute nicht nur massiver Verbote, wie etwa in Kuba oder China. Gerade China bedient sich aber auch technischer Hilfsmittel, um Seiten oder einzelne Worte zu blockieren. Das ist ein Wettrüsten zwischen den Aktivisten und den Zensoren.

Die Zahl der getöteten Journalisten hat sich in den letzten fünf Jahren nach ihren eigenen Zahlen um mehr als 250 Prozent erhöht, jeden Tag werden zwei Journalisten wegen ihrer Arbeit verhaftet. Hat das etwas mit dem Aufstieg des Internet-Journalismus zu tun?

Nein. Die Zahl der Getöteten ist wegen der Bürgerkriege gestiegen, vor allem im Irak - dort sind mehr als die Hälfte der Journalisten getötet worden. Dazu kommt Afghanistan. Der Online-Journalismus hat aber mehr Repressionen hervorgerufen, er hat die Gefängnisse gefüllt. In Burma, China und anderswo. Auf die weltweit 120 Journalisten in Haft kommen noch mal 60 Online-Dissidenten.

Hat der Online-Journalismus also mehr Herausforderungen oder mehr Hindernisse für die Pressefreiheit gebracht?

Für Einzelne sind die Möglichkeiten gestiegen, sich Gehör zu verschaffen. Aber das große Publikum zu erreichen, und eine Informationssperre gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung zu überwinden - das gibt es kaum. Zum Beispiel Russland: Hier gibt es wenig Internetzensur, weil es das Regierungslager es gar nicht für nötig hält, weil es Fernsehen, Radio und mittlerweile auch Zeitungen beherrscht und das Internet von relativ wenigen Leuten zur Kenntnis genommen wird.

Haben wir 2008 bessere Zeiten für die Pressefreiheit als etwa vor 1995 - bevor das Internet ein Massenmedium wurde?

Der Kampf für die Pressefreiheit muss immer neu gekämpft werden. Dort, wo demokratische Bestrebungen Fortschritte gemacht haben, gibt es auch mehr Pressefreiheit. Die Pressefreiheit kann aber auch auf einen Schlag wieder abbrechen. Die Frage ist nicht mit einem Ja oder Nein zu beantworten.

 

Das Interview führte Oliver Samson

 

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