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Politik | 25.05.2006

20 Jahre Haft für den Gründer von Colonia Dignidad

 

Der Gründer der sektenähnlichen deutschen Siedlung Colonia Dignidad in Chile, Paul Schäfer, ist wegen sexuellen Missbrauchs von 25 Kindern zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

 

Außerdem muss der frühere Jugendpfleger den Opfern Schadensersatz in Höhe von insgesamt 770 Millionen Pesos (1,25 Millionen Euro) zahlen, berichteten chilenische Medien am Mittwoch unter Berufung auf den Richter Hernan Gonzalez.

 

Fahnungsfoto von Paul SchäferBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Fahnungsfoto von Paul Schäfer Schäfer war nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn 1997 ins Nachbarland Argentinien geflohen, wo er sich bis zu seiner Verhaftung und Auslieferung im vergangenen Jahr versteckt hielt.

 

"Grausamste Verbrechen"

 

Der Opferanwalt Hernan Fernandez zeigte sich nach dem Urteil des Gerichts in Parral, rund 340 Kilometer südlich von Santiago de Chile, zufrieden. "Es war ein langer und schwieriger Prozess, der das System zum Einsturz gebracht hat, wo die grausamsten Verbrechen in der Geschichte Chiles geschehen sind." Den Opfern, bei denen es sich fast ausschließlich um Chilenen handele, widerfahre nach 40 Jahren endlich Gerechtigkeit.

 

Richter Gonzalez ermittelte in dem Fall zehn Jahre lang und befragte auch chilenische Mütter, deren Kinder von Schäfer in die kostenlose Schule und das Krankenhaus der Colonia Dignidad gelockt und dann missbraucht wurden. Einige frühere Sektenmitglieder erstatteten Anzeige gegen Schäfer und kooperierten mit den Ermittlungsbehörden.

 

Kindesmissbrauch und Folter

 

Eine Bewohnerin von Colonia DignidadBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Eine Bewohnerin von Colonia Dignidad Schäfer gründete die sektenartige Siedlung mit deutschen Auswanderern Anfang der 1960er Jahre in der Nähe von Parral. Während er den Siedlern eine rigide Moral predigte, verging er sich in einem eigens gebauten Baderaum an Kindern und Jugendlichen. Gegen ihn sind in Chile noch weitere Strafverfahren wegen Menschenrechtsverbrechen anhängig, weil die Geheimpolizei Dina unter Diktator Augusto Pinochet (1973-1990) die damals hermetisch von der Außenwelt abgeschottete Siedlung für Folter und Ermordungen von Regimegegner nutzte, an denen sich Schäfer beteiligt haben soll. Auch ein umfangreiches Waffenarsenal wurde dort entdeckt. In Deutschland liegt ebenfalls ein Haftbefehl gegen Schäfer vor.

 

Die Siedlung hatte kurz nach dem Ende der Pinochet-Diktatur ihren juristischen Status und damit Steuerprivilegien verloren und nannte sich in Villa Baviera um. Die Villa Baviera besteht bis heute. Sie begann erst im vergangenen Jahr damit, regelmäßige Kontakte zur Außenwelt aufzunehmen. (sam)

 
 

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