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Wie sich westliche Firmen in Afrikas Krisenregionen engagieren

Miriam Abudan14. April 2006

Unternehmen, die sich in afrikanischen Krisenregionen engagieren, sind keineswegs immer rücksichtslose Profiteure. Allerdings beachten private Firmen selten die Auswirkungen ihres unternehmerischen Handelns.

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Angestellter von Shell in NigeriaBild: dpa

Man mag vielleicht meinen, dass die Präsenz eines westlichen Unternehmens in einem Entwicklungsland für die Bevölkerung viele Vorteile, zum Beispiel Arbeitsplätze oder Devisen, bringt. Das ist aber häufig nicht der Fall - denn oftmals bringen die Unternehmen ihre eigenen Mitarbeiter mit und stellen daher nur eine geringe Zahl von Einheimischen ein. Die Folge ist die Entstehung einer Art "Insel der Marktwirtschaft", deren positive Auswirkungen die Bevölkerung aber nicht erreichen.

Jobs für Ausländer

"Man geht davon aus, dass in Angola, dem zurzeit zweitgrößten afrikanischen Erdölproduzent, maximal 20.000 Menschen im Erdölsektor beschäftigt sind", sagt Wolf-Christian Paes vom Internationalen Konversionszentrum Bonn (BICC). "Davon sind ein großer Teil Ausländer, so dass also die Entwicklungsimpulse, die von diesem Sektor auf die Gesamtgesellschaft ausgehen, nicht so groß sind, wie sie sein könnten."

Wolf-Christian Paes und seine Mitarbeiter haben eine Studie zur Rolle der Privatwirtschaft in Krisen und Konflikten in Afrika erstellt. Die Studie kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Privatwirtschaft die Konsequenzen ihrer Handlungen unterschätzt. Auswirkungen auf die Umwelt und auf soziale und politische Verhältnisse würden von den Unternehmen oftmals nicht beachtet. "Wenn sie irgendwo einen Förderturm hinsetzen, eine Mine eröffnen, eine Pipeline bauen, dann hat das natürlich Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. Das ist eine Dimension, die häufig unterschätzt wird", erklärt Paes.

Konflikte durch Entwicklungsprojekte

Auch wenn die Unternehmen einen Teil ihrer Gewinne in Entwicklungsprojekte an ihrem Standort investieren, kann das zu neuen Problemen führen. In Nigeria etwa tragen der BICC-Studie zufolge selbst Unternehmen, die lokale Entwicklungsprojekte unterstützen, häufig dazu bei, Konflikte noch weiter zu verschärfen - weil es zwischen den unterschiedlichen Gemeinschaften zu bewaffneten Auseinandersetzungen um die Frage komme: Wer profitiert von den Projekten?

Das Schlagwort von den "Blutdiamanten" stand in den vergangenen Jahren immer wieder in den Schlagzeilen. Gemeint sind damit die Geschäfte westlicher Unternehmen, die ohne moralische Rücksichten ihre Geschäfte mit brutalen Rebellenführern und Diktatoren in Zentral- und Westafrika gemacht haben. Aber solche Profiteure der afrikanischen Bürgerkriege sind keineswegs typisch für die Rolle ausländischer Privatunternehmen in afrikanischen Krisenregionen.

Handel mit Kriegsfürsten

Bisweilen mischen sich privatwirtschaftliche Unternehmen in der Tat indirekt in bewaffnete Konflikte ein, indem sie beispielsweise Diamanten oder andere begehrte Bodenschätze bei einer oder mehreren Konfliktparteien kaufen und damit den Bürgerkrieg finanzieren. "Das sind diese klassischen Diskussionen, die sie in den letzten Jahren alle gehört haben, über Diamanten aus Sierra Leone, Edelhölzer aus Nigeria, Coltan aus dem Kongo", sagt Paes.

Doch der Experte betont nachdrücklich, dass die Zahl dieser Kriegsgewinnler, gerade was deutsche Privatunternehmen betrifft, verschwindend gering ist. Grund dafür ist, dass solche Geschäftspraktiken in den vergangenen Jahren immer stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt sind und entsprechende massive Kritik auf sich gezogen haben. Dadurch sind die in jenen Krisenregionen tätigen Unternehmen gezwungen, ihr Verhalten sehr genau zu überdenken. "Wenn wir über Unternehmenshandel in Konfliktzonen reden, dann denken wir immer an Unternehmen, die Geschäfte mit Rebellenbewegungen machen, das ist aber sehr, sehr selten", sagt Paes.