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Top-Thema | 19.11.2004

Die Werbung spricht wieder Deutsch

 

Lange haben deutsche Werber versucht, mit schlechtem Englisch Kunden anzulocken. Jetzt geht der Trend zurück zur Muttersprache und weg vom merkwürdigen "Denglish". Endlich – findet der Amerikaner Marc Young.

 

Die Deutschen haben in den vergangenen Jahren mit sorgloser Hemmungslosigkeit englische Wörter und Redewendungen in ihre Sprache aufgenommen. Entstanden ist das ziemlich dämliche "Denglish", was sich bei vielen Deutschen leider viel zu großer Beliebtheit erfreute.

Ein Mobiltelefon "Handy" zu nennen, oder ins Internet zu gehen, um mit Freunden zu "chatten", ist natürlich noch harmlos. Problematisch wird es, wenn englische Wörter benutzt werden, wo es eigentlich vernünftige deutsche Alternativen gibt. So besteht zum Beispiel überhaupt keine Notwendigkeit, das englische Wort "updaten" zu verwenden, wenn "aktualisieren" völlig in Ordnung ist.

Noch viel schlimmer sind aber Unternehmen, die diese nervende Angewohnheit übernehmen. So wurde die Deutsche Telekom ein Mal ganz zu Recht attackiert, als sie auf Telefonrechnungen Inlandstelefonate als "City Calls" auswies. Denn natürlich wussten 86-jährige Omas im tiefsten Bayern mit diesem Posten nichts anzufangen.

Zum Glück haben große Werbeagenturen jetzt aber offensichtlich eingesehen, dass die große Mehrheit der Teutonen echte Probleme hat, die häufig ungeschickten englischen Werbeversuche zu verstehen. Das Marktforschungsunternehmen Dialogo fand vor kurzem heraus, dass die sieben bekanntesten Werbesprüche deutscher Firmen auf Deutsch waren.

Die Parfümeriekette Douglas hatte die Kunden jahrelang mit dem Slogan "Come in and find out" verwirrt. Leider dachten viele Deutsche, die Duftverkäufer würden sie motivieren, rein zu kommen, um dann wieder den Weg nach draußen zu finden. Mit "Douglas macht das Leben schöner" wirbt das Duft-Unternehmen jetzt mit einem eindeutigen Versprechen.

Komischerweise war es das ur-amerikanische McDonald’s, das die Bewegung zurück zur deutschen Sprache anführte. Die Hamburger-Kette verwarf ihren Slogan "Every Time a Good Time" und wirbt jetzt stattdessen mit "Ich liebe es". Ganz sicher lieben werden das alle Denglish-Gegner.

GLOSSAR:

Denglish / Denglisch – Zusammensetzung aus Deutsch und English/Englisch: Deutsch mit vielen englischen Ausdrücken vermischt

sich großer Beliebtheit erfreuen – sehr beliebt sein

harmlos – nicht schlimm; in Ordnung

es besteht keine Notwendigkeit – es ist nicht nötig

zu Recht – richtigerweise

mit etwas nichts anzufangen wissen – etwas nicht verstehen

ur-(vor Adjektiven) – sehr

etwas (einen Plan, einen Gedanken, hier: den Slogan) verwerfen – etwas nicht mehr weiter verfolgen; etwas aufgeben

 
 

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