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Stichwort | 02.11.2009

Fremd

 

Mancher wird mit offenen Armen empfangen, mancher erfährt Feindschaft: ein Fremder. Allerdings "fremd" ist jeder – nämlich in der Fremde.

 

Das Stichwort der Woche heißt "fremd". Wie in "Fremdenverkehr" oder "Fremdenzimmer". Dass so ein "Fremdenzimmer" für den oder die "Fremde" oder auch für mehrere "Fremde" da ist, erklärt sich von selbst. Das Schild "Fremdenzimmer" an Gasthäusern oder am hübschen Privatwohnhaus signalisiert: Hier kann ich übernachten. Aber wer ist "ich"? "Ich" ist der "Fremde".

 

In der Fremde

 

Das kann jeder und jede sein, vor allem in der Urlaubszeit. Aber wer ist der "Fremde" oder umgekehrt, was macht das "Ich" zum Fremden? Die Sprache, der Ursprung des Wortes, hilft die Frage zu beantworten: "Von fern", "von weit", das ist die Grundbedeutung von "fremd". Im englischen "from", das die selbe Wortwurzel wie unser "fremd" hat, ist diese Bedeutung noch ganz lebendig.

 

"From Liverpool" könnte beispielsweise der "Fremde" im Londoner Hotel auf die Frage antworten, woher er kommt. Der oder die "Fremde" ist also jemand, der aus einer anderen Gegend, einem anderen Land stammt und sich an einem von seiner Heimat mehr oder weniger weit entfernten Ort befindet. "Weit entfernt von": Mit dieser Definition lässt sich im wörtlichen wie im bildhaften Sinne nahezu jedes mit "fremd" gebildete Wort erklären.

 

Raus aus der Anonymität

 

Aber zurück zur fremden Person "from Liverpool" im Londoner Hotel. Sie hat sich ins "Fremdenbuch" des Hotels eingetragen und ist nun aus der Anonymität herausgetreten und zum Hotelgast geworden. Im Hotel vom "Fremden" zum Gast zu werden ist eine formale Angelegenheit. Im richtigen Leben sieht das anders aus und ist auch viel schwieriger.

 

Ein Blick in die Geschichte: In vorrömischer Zeit war der Fremde rechtlos. Er konnte straflos getötet oder verknechtet werden. So konnten Küstenbewohner Schiffbrüchige samt Schiff und zugehöriger Ladung ohne weiteres in Anspruch nehmen. Nur wenn sich jemand fand, der den oder die Fremden als Gast aufnahm und so zum Gastgeber wurde, trat der Fremde gewissermaßen unter den Rechtsschutz seines Gastgebers. Heute sind im Fremdenrecht Rechte und Freiheiten des Fremden im Rahmen der Menschenrechtskonvention festgelegt. Es ist ja nicht einfach, irgendwo in der "Fremde" zu sein.

 

Vom Fremden zum Gast

 

Die gesprochene Sprache ist "Fremdsprache". Fremde Länder, fremde Sprachen. Alles wirkt "befremdlich" oder es kann zumindest so wirken, wenn der "Fremde" ausschließlich auf Ablehnung trifft. Zum Glück ist dies ja nicht grundsätzlich so.

 

Nicht zuletzt der internationale Tourismus – aber vermeiden wir das "Fremdwort" und sagen "Fremdenverkehr" – hat dazu beigetragen, dass die Menschen unterschiedlicher Kulturen und Nationen sich kennen- und verstehen lernen. Bei allem Optimismus dürfen wir aber nicht so tun, als gäbe es sie nicht: die "Fremdenfeindlichkeit".

 

Furcht vor dem Unbekannten

 

Das "Fremdwort" dafür heißt "Xenophobie". "Xenos" heißt im Griechischen "Fremder", aber auch interessanterweise "Gastfreund". "Phobos" bedeutet Furcht. Es ist zu verstehen, dass sich Menschen vor anderen Menschen fürchten können, die von weither kommen, von denen sie nichts wissen, deren Sprache sie nicht verstehen, die auch noch anders aussehen.

 

Nur: Den anderen geht es ganz genauso und wir reden jetzt nicht von Urlaubern. Sich fürchten und Angst haben ist schlimm. Für jeden. Man kann es dabei belassen oder diesem schlechten Gefühl etwas entgegensetzen.

 

Ein Lächeln

 

In jedem Sprachführer – ganz gleich für welche Fremdsprache – findet sich unter den wichtigsten Redewendungen in der Fremdsprache diese: "Wie geht es Ihnen?" Die Antwort ist fast immer erstmal ein Lächeln.

 

Fragen zum Text

Jemand, der aus einer anderen Gegend kommt und fern der Heimat ist, ist ...

1.  ein Fremder.

2.  ein Freund.

3.  der Gastgeber.

 

Ein Fremder hatte in vorrömischer Zeit …

1.  immer Recht.

2.  keine Rechte.

3.  nie Recht.

 

Das Fremdwort für Fremdenverkehr ist:

1.  Terrorismus

2.  Tourismus

3.  Tinnitus

 

 

Arbeitsauftrag

Haben Sie Erfahrungen in der Fremde gemacht? Schreiben Sie einen Aufsatz über einen Auslandsaufenthalt und berichten Sie, wie es Ihnen in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache und Kultur ergangen ist.

 

 

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

 
 

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