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Donaubrücke bei Komarno verbindet Ufer aber nicht die Völker

16. März 2010

Die Brücke über die Donau verbindet Komarno in der Slowakei mit Komarom in Ungarn. Beide EU-Staaten haben Probleme mit den Minderheiten aus dem jeweils anderen Land.

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Elisabethbrücke nach Komárno. Donaubrücke bei Komarno (Slowakei)/Komarom (Ungarn). English: Erzsebét híd from Komárom side, Komárom-Esztergom comitat, HU Datum 10. 08. 2008 Quelle Eigene Arbeit (Own camera - vlastní fotoparát) Urheber User:Aktron Genehmigung (Weiternutzung dieser Datei). http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kom%C3%A1rom,_pohled_na_most_p%C5%99es_Dunaj.jpg&filetimestamp=20080819181902 Own work, copyleft: Multi-license with GFDL and Creative Commons CC-BY-SA-2.5 and older versions (2.0 and 1.0) Quelle: Wikipedia. URL:
Elisabethbrücke über die DonauBild: cc-by-sa/Aktron

Das "Klapka" ist das beliebteste Restaurant in Komarno (Slowakei). Wirtin Maria Hajabácsová hat alle Hände voll zu tun und immer für jeden Gast ein freundliches Wort. „Jeder ist willkommen hier“, sagt sie, „ich mache keinen Unterschied zwischen meinen Gästen“. Und das in der südlichen Slowakei, wo es immer wieder einen großen Unterschied macht, ob jemand Slowakisch oder Ungarisch spricht. Und dann zeigt sie Stapel von Gästebüchern, die voll sind mit Grüßen in beiden Sprachen. Intelligente Leute, sagt sie, machen keinen Unterschied zwischen Nationalitäten oder Sprachen.

Maria Hajabácsová spricht den meisten Menschen in Komarno aus der Seele. Mehr als zwei Drittel sind hier, in der Grenzstadt an der Donau, ungarischer Abstammung. Ungarisch ist die dominierende Sprache – und der Grund des tiefen Misstrauens, das viele Slowaken gegen die Minderheit im eigenen Land hegen.

Hungarian President Laszlo Solyom (C) walks back to Hungary on the bridge connecting Komarom, Hungary, and Komarno, Slovakia, after he was prohibited from entering Slovakia 21 August 2009. Solyom was about to pay a private visit to Slovakia to attend an unveiling ceremony of a statue of founder of the Hungarian state King Saint Stephen but Slovakian Prime Minister Robert Fico announced Solyom?s visit to Slovakia undesirable. EPA/SZILARD KOSZTICSAK +++(c) dpa - Report+++
21. August 2009: Ungarns Präsident Laszlo Solyom versucht, zu Fuß in die Slowakei einzureisenBild: picture-alliance/ dpa

Denkmal sorgte für Spannungen

Nur einen Steinwurf entfernt vom „Klapka“ steht das Denkmal des ungarischen Königs Stefan. Der hat sich vor tausend Jahren das großmährische Reich unterworfen, das manche Slowaken als mittelalterlichen Vorläufer ihres Landes betrachten. Und bis zum Ende der K.u.K. Monarchie blieb die Slowakei „Oberungarn“, das kompromisslos magyarisiert wurde. Nun steht das Denkmal nicht etwa seit über hundert Jahren, sondern erst seit ein paar Monaten. Errichtet von ungarischen Slowaken: direkt am Fuße der Elisabethbrücke, die seit über hundert Jahren die Donau überspannt und Komarno mit Komarom auf der ungarischen Seite verbindet.

In der slowakischen Hauptstadt Bratislava sorgte das Denkmal für erhebliche Irritationen. Und als Komarnos Bürgermeister Bastrnak auch noch den ungarischen Präsidenten, nicht aber den slowakischen einlud, um das Stefans-Denkmal einzuweihen, war die slowakische Regierung nicht mehr amüsiert. Kurzerhand erklärte Bratislava den Präsidenten des Nachbarlandes zur unerwünschten Person, was der wiederum schnurstracks zum Anlass nahm, medienwirksam über die Donaubrücke zu marschieren – das heißt, soweit er eben kam, bis zur Grenze nämlich.

Das war der Tiefpunkt in den Beziehungen der beiden Länder, die seit 2004 Mitglied der Europäischen Union sind. Seither bemühen sie sich um mehr Mäßigung.

Grenzübergang Komárno Komárom
Eine Stadt - zwei LänderBild: cc-by-sa/Aktron

Brücke soll Komarno und Komarom verbinden

Im Rathaus von Komarno mag Bürgermeister Bastrnak nicht von einem Problem reden und tut es dann doch: „Seit den Problemen um die Statue des Heiligen Stefan im August letzten Jahres haben wir hier keine Spannungen zwischen den beiden Nationen mehr gespürt. Aber jetzt kommen wir den Parlamentswahlen im Juni näher. Und da werden manche Politiker versuchen, diese nationalen Probleme wieder hochzubringen.“ Es ist vor allem die nationalistische Partei SNS, die jede Gelegenheit nutzt, um gegen die ungarische Minderheit Stimmung zu machen. Und die Regierung von Ministerpräsident Fico lässt allzu oft im Unklaren, wo sie eigentlich steht: ist sie doch auf die Nationalisten angewiesen, um ihre knappe Mehrheit zu erhalten.

Es lohnt sich, zu Fuß über die Elisabethbrücke zu gehen. Es ist eine wunderbare Stahlkonstruktion aus dem späten 19. Jahrhundert. Im Krieg beschädigt, wurde sie von russischen Soldaten bald wiederhergestellt und heißt seitdem auch „Brücke der Freundschaft“. Verbunden aber hat sie in 50 Jahren verordneter sozialistischer Brüderlichkeit niemals, dabei waren Komarno und Komarom lange zwei Hälften ein und derselben Stadt.

Neue Brücke geplant

Auf der ungarischen Seite, in Komarom, empfindet Bürgermeister Zatykó das als völligen Anachronismus. „Brücken verbinden Menschen und Städte“, sagt er. „Es darf nicht sein, dass eine Brücke zwei Städte oder zwei Länder auseinanderbringt.“ Und dann zeigt er stolz sein Lieblingsprojekt: Eine neue Brücke, etwas weiter westlich. Sie soll die alte entlasten und auch für den Schwerverkehr offen sein. Der muss momentan weite Umwege fahren.

„Unsere Stadt möchte die Verbindung zwischen der Slowakei und Ungarn verbessern. Ich glaube, dass unsere Stadt in dieser Situation eine wichtige Rolle hat und als Politiker können wir dafür auch mehr tun.“

Mindestens 200 Millionen Euro steuert die EU bei und bis 2014 soll die neue Brücke stehen. So lange will Zatyko unbedingt noch im Amt bleiben, obwohl er sich eigentlich viel lieber zur Ruhe setzen könnte.

„Unsere Brücken sind Metaphern“, sagt Doktor Szarka ironisch, „aber sie sind ungeeignet für den Verkehr heutzutage“. Szarka ist Konrektor der ersten ungarischsprachigen Universität in der Slowakei. Auch die gibt es hier in Komarno. Er beklagt beredt die Geschichte verpasster Gelegenheiten, die die Nachbarschaft beider Länder böte, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Aber anders als in anderen Grenzregionen herrsche in Komarno Stillstand.

„Diese Stadt gehört den Menschen beider Nationen. Sie gehört zur Geschichte Zentraleuropas. Wir sollten aufhören, uns um Denkmäler zu streiten und lieber alle Statuen in einen Park stellen, damit sie unsere gemeinsame Geschichte repräsentieren.“

Denn, das soll nicht unerwähnt bleiben, es gibt in Komarno ja auch noch die Statue von Kyrill und Method, den Slawenaposteln. Die haben slowakische Gönner gestiftet, aber die Ungarn in Komarno verhinderten, dass sie am gewünschten Platz aufgestellt wurde. Stattdessen steht sie nach vielem Hin und Her nun auf dem Balkon der „Matica Slovenska“, der Gesellschaft für slowakische Kultur und Brauchtumspflege.

Aber selbst da mag man sich nicht mehr aufregen. Der Vorsitzende der Matica ist Pfarrer Hargas, ein jovialer älterer Herr. Die nationalistischen Töne aus Bratislava hört er mit Unbehagen. „Gott sei Dank beeindrucken die Streitereien der Politiker die normalen Leute nicht so sehr, wie das manche Politiker gerne hätten. Das ist der beste Beweis, wie gut Slowaken und Ungarn hier zusammenleben.“

Ginge es nach den Menschen hier, verbände die Brücke hier schon längst, was eigentlich spätestens seit dem EU-Beitritt beider Länder ohnehin zusammengehört: zwei Städte gleichen Namens an den Ufern der Donau.

Autor: Veit-Ulrich Braun
Redaktion: Bernd Riegert