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Internet | 05.02.2010

Video-Chats verbinden Europas Schulen

 

Mit anderen Schülern aus Europa gemeinsam lernen - und das vom eigenen Klassenzimmer aus? Mit dem EU-Programm "eTwinning" können sich die Jugendlichen im Netz begegnen und gemeinsam lernen und chatten.

 

Europa wird für die Schüler von heute immer selbstverständlicher und gleichzeitig wichtiger: Ein Auslandsaufenthalt gehört in einem guten Lebenslauf beinahe zum Pflichtprogramm. Immer öfter locken auch Jobmöglichkeiten in anderen europäischen Ländern. Da ist es von Vorteil, wenn die Kinder schon in der Schule Sprachen und Kulturen kennenlernen - und vielleicht sogar Kontakte knüpfen. Das Projekt "eTwinning" macht das möglich. Rund 80.000 Schulen in ganz Europa nehmen daran teil. "e" steht dabei für elektronisch, "twinning" für Partnerschaft.

Treffpunkt virtuelles Klassenzimmer

Ein Lehrer sitzt vor seiner Klasse an einem Laptop (Foto: iStockphoto)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Auch die Lehrer können noch etwas lernen

Der Lehrer Uwe Bugdoll ist bereits routinierter "eTwinner". Doch heute ist er nervös. Um ihn herum sitzen sieben Schüler und starren gespannt auf einen Computerbildschirm. Nur noch wenige Minuten, bis der gemeinsame Videochat beginnen soll. Heute, hofft der Lehrer aus Oberhausen, wird alles klappen. Denn beim vergangenen Termin versank England im Schneechaos, die Schule blieb geschlossen. Polen hatte einen Stromausfall und Teneriffa musste sich mit technischen Problemen herumschlagen: Die Schüler hörten sich an wie Micky Mäuse.

"Hallo. Können Sie mich hören?", fragt er schließlich. Carmen, die Lehrerin aus Teneriffa meldet sich als erste in sauberem Ton zurück. Dann folgt Großbritannien, wenig später Polen. Damit sind alle Projektpartner im gemeinsamen virtuellen Klassenzimmer versammelt. Das Thema heute: kulturelle Unterschiede im Alltag.

Medienkompetenz und Sprachen lernen

Das Logo des Programms (Foto: eTwinning)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Die EU-Kommission fördert das lebenslange LernenEine dreiviertel Stunde später ist die ungewöhnliche Schulstunde vorbei. Unterricht, der motiviert, weiß Maike Ziemer, Projektleiterin von "eTwinning" in Deutschland: "Die Schüler können per Chat diskutieren, im Forum Projektergebnisse austauschen, in einem Wiki arbeiten, einen gemeinsamen Blog erstellen oder eine gemeinsame Website entwickeln." Dem Einfallsreichtum der Lehrer sind keine Grenzen gesetzt - sie können "eTwinning" im Sprach- oder Geschichtsunterricht, in Erdkunde oder beim gemeinsamen Mathe Üben nutzen.

Die Hälfte aller Projekte findet in Englisch statt. Doch die geschützte Plattform steht in 23 europäischen Sprachen zur Verfügung und will damit ausdrücklich die Mehrsprachigkeit fördern. Doch kann man die Länder und Kulturen wirklich gut kennenlernen, ohne vor Ort zu sein? "'eTwinning' soll ganz klar kein Ersatz für Klassenfahrten sein, sondern eine Ergänzung", erklärt Maike Ziemer. Mit dem Programm könnten Schüler aber regelmäßig mit Partnern zusammenarbeiten.

Neue Wege im Schulalltag gehen

Kinder liegen auf einer Europakarte und haben Headsets an (Foto: Uwe Schinkel / eTwinning)
Bildunterschrift: Die Schüler lernen und haben Spaß dabei

Immer wieder fürchten Lehrer, dass sie die Technik nicht beherrschen könnten. Doch zum einen gebe es fachliche Unterstützung von "eTwinning" und zum anderen könnten hier einmal die Schüler zu Lehrern werden, weiß Maike Ziemer aus Erfahrung: "Viele Lehrer binden die Schüler ein, denn sie wissen, dass sie sehr fit im Umgang mit Sozialen Netzwerken sind." Zum Beispiel als Moderatoren, als Mentoren oder als Berater.

Ein weiterer Grund, warum Lehrer zurückschrecken, ist der Zeitaufwand. Für Uwe Bugdoll ist es aber ein Engagement, das sich lohnt. "Es durchbricht den normalen Alltagstrott und bringt einem Anerkennung - von Schulen und von Schülern." Dem 15-jährigen René beispielsweise macht Sprachunterricht auf die Art viel mehr Spaß: "Ich finde 'eTwinning' wesentlich interessanter, weil man dadurch das umgangssprachliche Englisch lernt." Und die Schüler kommen manchmal zu überraschenden Erkenntnissen: "Ich habe immer gedacht, dass die Engländer sehr streng sind. Aber nun habe ich gelernt, dass sie witzig sein können", erzählt Schülerin Jasmine.

Gute Zukunftsaussichten

Ein Schüler steht an einer Tafel, auf der eTwinning steht (Foto: Uwe Schinkel / eTwinning)
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  "eTwinning" scheint gut zu funktionierenDie Internet-Plattform www.etwinning.net gibt es seit fünf Jahren. Bis 2013 soll das Projekt noch gefördert werden. Eine Verlängerung ist laut Maike Ziemer wahrscheinlich, da die EU-Kommission "eTwinning" als großen Erfolg ansieht. Seit über einem Jahr nehmen auch Rumänien und die Türkei teil - und weitere osteuropäische Länder zeigen Interesse. Außerdem würde immer wieder darüber diskutiert, ob „eTwinning“ auch weltweit geöffnet werden solle, erzählt Ziemer: "Das Interesse ist da und das Netzwerk ist sehr stabil, so dass es ausgeweitet werden könnte. Aber das ist letztendlich eine politische Entscheidung."

Autorin: Katrin Schilling
Redaktion: Julia Kuckelkorn

 
 

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