Top-Thema | 25.12.2009
Zurück zur Kirche
Rund 150.000 Menschen verlassen jährlich die Evangelische Kirche – aus Enttäuschung, aus Gleichgültigkeit oder einfach, um die Kirchensteuer zu sparen. Seit einigen Jahren gelingt es der Evangelischen Kirche, zumindest einen Teil der ausgetretenen Mitglieder zurückzugewinnen. Die Gründe für den Wiedereintritt sind unterschiedlich. Manche sagen offen, dass sie gerne kirchlich heiraten wollten. Für andere ist es die Geburt ihres Kindes.
Annette Dieckmann-Bartels ist wieder eingetreten, weil sie die christliche Kultur aufrechterhalten möchte. "Das ist ganz wichtig, und wenn diese Kultur nicht aufrechterhalten werden kann, weil viele Menschen sich das nicht mehr leisten können, dann wäre das sehr bitter." Sie möchte verhindern, dass irgendwann ein Gotteshaus zu einem Parkplatz umgebaut wird. Margot Käßmann, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betont, dass die Kirche eine "einladende Grundhaltung" annehmen muss. Keiner darf ein schlechtes Gewissen haben, wenn er wieder zur Kirche zurückkehrt.
In den östlichen Bundesländern ist die Situation anders. Hier wurde die Beziehung zur Kirche schon vor zwei oder drei Generationen beendet. Dennoch sieht Margot Käßmann einige Möglichkeiten, auch hier die Menschen für die Kirche zu gewinnen – vor allem über die Kinder und die Kultur: "Nicht die Eltern bringen die Kinder zur Kirche, sondern die Kinder die Eltern. Das ist ein interessantes neues Phänomen." Auch für Lisa Dölling-Eckle war der Wiedereintritt ein besonderer Schritt: "Ich habe dann nachts hier gesessen mit meinem Mann und habe gesagt: Schön, jetzt bin ich wieder dabei. Ich fühle mich wieder zugehörig".
Glossar
sich zu etwas zugehörig fühlen – bei etwas dabei sein wollen
evangelisch – zu einer bestimmten christlichen Glaubensrichtung gehörend
Gleichgültigkeit, die – die Tatsache, dass jemandem etwas egal ist
Kirchensteuer, die – das Geld, das man bezahlt, um Mitglied der Kirche zu sein
aus etwas austreten – etwas (z. B. eine Organisation) verlassen ↔ in etwas eintreten
Wiedereintritt, der – hier: die Tatsache, dass man wieder Mitglied der Kirche wird
etwas aufrechterhalten – hier: etwas beschützen; etwas behalten
sich etwas nicht leisten können – kein Geld für etwas haben
Vorsitzende, der/die – die Person, die eine Organisation leitet
etwas betonen – etwas besonders deutlich machen
Grundhaltung, die – hier: die Art, wie man Menschen begegnet; das Benehmen
die Beziehung zu etwas beenden – sich von etwas trennen
ein schlechtes Gewissen haben – sich (wegen etwas) schuldig fühlen
jemanden für etwas gewinnen – jemanden davon überzeugen, etwas für einen zu tun
Phänomen, das – hier: etwas, was passiert; das Geschehnis
Fragen zum Text
1. Warum treten viele Menschen aus der Kirche aus?
a) Sie sind enttäuscht oder interessieren sich nicht mehr für die Kirche.
b) Sie möchten auf keinen Fall in der Kirche heiraten.
c) Sie wollen die christliche Kultur aufrechterhalten.
2. Margot Käßmann von der EKD möchte, dass …
a) die Kirchensteuer abgeschafft wird.
b) keine Parkplätze vor Kirchen gebaut werden.
c) die Kirche offener und freundlicher wird.
3. Die Ratsvorsitzende befürwortet eine "einladende Grundhaltung" der Kirche, damit …
a) die Menschen mit einem guten Gewissen die Kirchensteuer zahlen.
b) niemand ein schlechtes Gewissen hat, wenn er wieder in die Kirche eintreten möchte.
c) alle, die aus der Kirche ausgetreten sind, ein schlechtes Gewissen haben.
4. Wie ist das Verhältnis der Menschen zur Kirche in Ostdeutschland?
a) Sie heiraten immer öfter in der Kirche.
b) Viele von ihnen sind schon lange nicht mehr in der Kirche.
c) Sie bringen ihre Kinder gerne zur Kirche.
5. Ergänzen Sie das richtige Verb: "Um mehr Menschen … muss die EKD noch viel tun."
a) aufrechtzuerhalten
b) wiedereinzutreten
c) zurückzugewinnen
Arbeitsauftrag
Besuchen Sie die Internetseite der EKD unter www.ekd.de und schauen Sie sich die Seite an. Wie präsentiert sich die Kirche im Internet und wo spricht sie die Menschen an, die die Kirche verlassen haben? Diskutieren Sie in einer Gruppe, welche weiteren Möglichkeiten die Kirche nutzen könnte, um Menschen zurückzuholen.
Autor: Michael Hollenbach/Lukas Völkel
Redaktion: Shirin Kasraeian
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