1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages


 

Wissenschaft | 06.11.2009

Mitwachsende Herzklappen für Kinder

 

Schweizer Forscher entwickeln künstliche Herzklappen aus patienteneigenen Stammzellen, die im Gegensatz zu den bisherigen künstlichen Herzklappen mitwachsen sollen. Derzeit laufen recht erfolgreiche Tests an Schafen.

 

Den Forschern des Universitätsspitals Zürich ist es gelungen, die Herzklappe eines Schafs vollständig im Labor zu züchten. Der Herzchirurg Simon Hoerstrop will neue, funktionierende Herzklappen aus Zellen von Patienten im Labor herstellen. Das ist das Ziel.

 

Forschung vor allem für Kinder

 

Bislang verwenden Chirurgen künstliche Herzklappen - auch hier gibt es bereits Modelle mit tierischem Gewebe. Doch diese Klappen bestehen bislang immer aus totem Material, um Abstoßungsreaktionen des Körpers zu vermeiden. Das aber bedeutet: Solche Herzklappen wachsen nicht mit dem Körper des Patienten mit. Vor allem bei Kindern ist das ein großes Problem. Bei ihnen muss eine Herzklappe alle paar Jahre ersetzt werden. Fünf Operationen können da nötig sein, bis sie erwachsen sind.  

 

Herzforscher Simon Hoerstrup (Foto: DW)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Herzforscher Simon Hoerstrup

Schafe sind ideales Modell

 

Simon Hoerstrup möchte das ändern. Er setzt dabei gezielt auf Versuche mit Schafen. "Das Schaf", sagt der Forscher, "ist ein ideales Modell." Erstens, weil seine Anatomie mit der des Menschen vergleichbar sei. "Und weil alles, was nicht gut funktioniert im Schaf, ganz schnell verkalkt", ergänzt Hoerstrup. Das heißt, man sieht im Schafmodell viel schneller als beim Menschen, ob ein Implantat funktioniert oder nicht.

 

Experimente sind erfolgreich

 

Bevor Hoerstrup eine Herzklappe herstellt, entnimmt er aus einem Blutgefäß am Hals des Schafes Zellen. Die Zellen werden im Labor vermehrt, bevor die Forscher sie auf ein Zuckergerüst auftragen. Dessen Form entspricht genau der einer richtigen Herzklappe.

In einem Bioreaktor wachsen die Zellen schließlich auf dem Gerüst fest und bilden in nur acht Wochen eine neue Klappe. Das Gerüst selbst löst sich dabei vollständig auf. Die Nährlösung ist während des ganzen Wachstums in Bewegung, um das Herzpumpen zu simulieren. So wird die Herzklappe für ihre zukünftige Arbeit im Körper trainiert.

 

Herzkrankes Kind (Foto: DW)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Kinder würden von mitwachsenden Herzklappen besonders profitieren

Die gezüchtete Klappe pflanzt Hoerstrup schließlich dem Schaf ein, aus dessen Zellen sie hergestellt wurde. So gibt es keine Abstoßungsreaktion - den Schafen geht es gut mit den neuen Klappen.

 

Einsatz beim Menschen absehbar

 

In den Laboren des Züricher Universitätsspitals sind schon rund einhundert menschliche Klappen erfolgreich gezüchtet worden. Und natürlich bereiten die Wissenschaftler um den Herzchirurgen Simon Hoerstrup schon jetzt alles für den ersten Einsatz in der Klinik vor. Doch es werde noch einige Jahre dauern, bis das erste Kind eine solche Herzklappe erhalten kann, dämpft Hoerstrup die Erwartungen. Aber die Zukunft, in der herzkranken Kindern mit nur einer einzigen Operation geholfen werden kann, ist nicht mehr fern.

 

Autor: Basil Honegger/Online-Fassung: Maria Lesser)

Redaktion: Judith Hartl

 
 

Feedback »Versenden »Drucken »

Weitere Schlagzeilen

 
Artikel bookmarken


 

DW-TV EUROPA live

Journal - Mit Interview

We're sorry, due to legal issues this content can not be transmitted as live stream.

If you are inside the United States, it is still possible for you to enjoy DW-TV. For more information, please click here.