Projekt Zukunft
Im Gespräch: Dr. Michael Geffert, Astronom, Universität Bonn
DW-TV: Ich freue mich Ihnen bei uns im Studio den Astronomen Herrn Dr. Michael Geffert vorzustellen zu dürfen. Herr Geffert, glauben Sie, dass es da draußen irgendwo Leben gibt?
Michael Geffert: Ja, ich persönlich würde diese Frage immer mit „Ja“ beantworten. Ich denke, das Universum ist so riesig, dass es irgendwo einen Planeten um einen Stern gibt wo sich vermutlich, ähnlich wie auf der Erde, Lebewesen entwickelt haben.
DW-TV: Ähnlich wie auf der Erde? Hieße das sogar intelligentes Leben oder denken Sie, dass da vielleicht nur grüner Schleim auf der Oberfläche ist?
Bildunterschrift:
Michael Geffert: Ja, ich denke mit dem Schleim wird es wohl anfangen, dass heißt es gibt sicherlich nach meinen Vorstellungen einige Planeten, wo vielleicht so was ist wie Primitivformen des Lebens. Aber ich denke auch auf die Gesamtheit des Universums gerechnet, dass es doch auch irgendwo Lebewesen gibt, die intelligent sind, so intelligent, dass sie zum Beispiel auch Nachrichten aussenden können.
DW-TV: Haben Sie die Hoffnung, dass man vielleicht eines Tages solche Nachrichten empfangen kann?
Michael Geffert: Die Hoffnung ist leider nicht sehr groß. Das hängt ein bisschen damit zusammen, dass die Entfernungen im Universum eben so groß sind. Wenn wir nur von unserer Milchstraße sprechen, dann ist das so, dass das Licht, was ja das Schnellste ist was wir kennen, von der einen Seite zur anderen Seite hunderttausend Jahre braucht. Aber in den entfernteren Galaxien braucht das Licht noch viel länger, das heißt, dass die Signale auf dem Weg zu uns schwächer werden, wenn sie nicht ganz stark gebündelt sind. Und deswegen ist die Chance, dass wir wirklich Kontakt aufnehmen und vielleicht Botschaften hin und her schicken, eigentlich gleich Null.
DW-TV: Und wer weiß schon, ob nach hunderttausend Jahren, wenn ein Signal so lange unterwegs war, ob diese Zivilisation dann überhaupt noch existiert?
Michael Geffert: Das ist in der Tat noch eine andere Frage, die auch sicherlich bei solch großen Zeitskalen eine Rolle spielt, ob die Zivilisation sich halten kann, wie lange sie sich halten kann. Das sind Fragen auf die wir heute keine Antwort wissen.
DW-TV: Auf der Erde hat sich das intelligente Leben ja in solchen Formen entwickelt, wie Sie und ich sie darstellen. Wir haben zwei Beine, zwei Arme, der Kopf sitzt oben drauf, zwei Augen besitzen wir. Glauben Sie, dass es in dieser Welt vielleicht auch eine ganz andere Form von Leben oder intelligentem Leben geben kann, die ganz anders aussieht?
Michael Geffert: Also ich denke, diese Frage müsste man eigentlich einem Biologen stellen, der vielleicht ein bisschen abschätzen kann, was möglich ist und was nicht möglich ist. Zum Beispiel durch die Schwerkraft, die ja immer vorhanden ist und wie sich da so etwas entwickeln kann. Sonst erlebe ich, da ich sehr viel Astronomie auch mit Kindern mache, dass die Kinder ihre ganze Phantasie da dann ausleben. Das Schöne bei den Kindern ist, dass die Aliens, wenn ich sie mal so nennen darf, auch durchaus gutartig sind und nicht immer nur diesen „Touch“ des Gruseligen haben.
DW-TV: Was würde denn eigentlich mit uns Menschen passieren, wenn wir in der Tat diese Aliens finde? Wäre das eine Art Demütigung für uns, so wie es eben Kopernikus gegeben hat, dass er gesagt hat: „Ihr seid nicht im Mittelpunkt!“. Und Darwin hat gesagt: „Ihr seid doch sehr affenähnlich!“. Also, Demütigung oder Freude?
Michael Geffert: Ich würde schon sagen „Freude“, „Demütigung“ auf keinen Fall, denn ich denke, dass jeder Mensch für sich ein solches Wunderwerk ist, dass man eigentlich, egal was man noch alles an anderem Lebewesen findet, immer davon sprechen muss, dass der Mensch doch auch irgendwie wunderbar ist.
DW-TV: Aber wir würden dann natürlich feststellen, dass wir plötzlich nicht mehr die Einzigen sind. Wir würden von diesem Thron gestoßen.
Michael Geffert: Ja, ich denke für manche Bereiche hat das sicher Konsequenzen, für unser philosophisches Selbstverständnis zum Beispiel, vielleicht auch für die Theologie. Was bedeutet es, wenn jetzt woanders auch Lebewesen sind? Wie könnte sich ein Gott dort offenbart haben? Ich denke, da gibt es einige wirklich ganz interessante Fragen und ich glaube, dass sich unser gesamtes Weltbild ordentlich verändern würde.
DW-TV: Wir beantworten diese Fragen, wenn wir die Aliens gefunden haben. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Geffert!

















