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CD-Tipp | 05.10.2009

Mendelssohn Discoveries

 

Das Mendelssohn-Jahr hat dem Plattenmarkt eine Fülle von neuen Aufnahmen des großen Komponisten und Kapellmeisters beschert. Eine besondere Entdeckungsreise zu Mendelssohn bietet das Leipziger Gewandhausorchester.

 

In Leipzig, der Mendelssohn-Stadt, hat man lange gewartet, bevor man seinen Beitrag zum Jubiläumsjahr beisteuerte. Hier, wo Mendelssohn die Geschicke der Gewandhauskonzerte lenkte, als deren Direktor und damit als Amtsvorgänger von Riccardo Chailly, dem jetzigen Gewandhauskapellmeister, hier in Leipzig wollte man etwas besonderes bieten, das sich  von dem bislang Gebotenen abhebt.

 

Aus alt mach neu

 

Bildmontage
(Quelle: DW-TV)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Das Leipziger Gewandhausorchester spielt Mendeslsohn

1842, während seiner siebten Londoner Reise, dirigierte Mendelssohn eine Fassung seiner dritten Sinfonie, die er eigens für die britische Hauptstadt geschrieben hatte. Besonders spannend ist der Vergleich mit der ebenfalls auf der CD eingespielten ersten Skizze zur "Schottischen". Diese Fassung hatte Mendelssohn noch während seiner Schottlandreise anlegt. Sie gewährt einen interessanten Einblick in Mendelssohns Arbeitsweise und zeigt, wie der junge Komponist die Eindrücke, die er in Schottland sammelte, in Musik umzusetzen beabsichtigte. Auch von den berühmten "Hebriden" gibt es eine außergewöhnliche frühe Fassung, die Mendelssohn für eine römische Aufführung unter Hector Berlioz 1831 anlegte. Mit leicht anderer Instrumentierung und einigen Takten, die in späteren Versionen fehlen. Herausgegeben hat diese Fassung der britische Dirigent und Musikwissenschaftler Christopher Hogwood.

 

 

Wiederentdeckt

 

Ricardo Chailly
(Quelle: DW-TV)Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Der Leibziger Gewandhauskapellmeister Ricardo Chailly

Der italienischen Dirigent und Mendelssohn-Experte Marcello Bufalini hat zusammen mit dem Pianisten Roberto Prosseda das dritte Klavierkonzert von Mendeelssohn aufgegraben. In der Oxforder Bodleian Library hat er das vergessene Fragment wieder gefunden und fehlende Teile rekonstruiert. Wie weit das Mendelssohns Intentionen entsprach, kann auch Buffalini nicht sagen. Aber durch Buffalinis und Prossedas Arbeit ist dieses Konzert nun wieder gespielt und auf  CD aufgenommen worden. Es zeigt einen ausgereiften und originellen, nach wie vor experimentierfreudigen Mendelssohn, der das Klavier souverän beherrscht.

 

Roberto Prosseda spielt mit Hingabe und einer technischer Perfektion, die man sich eigentlich nicht besser wünschen könnte – das ist sicher auch dem Umstand zu verdanken, das er natürlich das Werk bis in jede Einzelheit nicht nur kennt, sondern auch wiederbelebt hat. Auch die anderen Werke vermögen durchweg zu überzeugen – Riccardo Chailly präsentiert einen zupackenden, spannungsgeladenen Mendelssohn mit großen emotionalen Ausbrüchen, aber auch fein ziselierten Details. Lediglich die Uhrmacherpräzision eines Herbert Blomstedt ist etwas abhanden gekommen, was aber dieser Einspielung insgesamt keinen Abbruch tut. Die "Mendelssohn-Entdeckungen" lohnen sich.

 

 

Autor: André Sittner

Redaktion: Gudrun Stegen

 

 

 

 

 

 

 
 

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