Klimawandel | 04.11.2009
Afrikaner boykottieren Klimagespräche
Die Afrikaner beendeten den Boykott der Sitzungen in Barcelona nach der Zusage der übrigen Teilnehmer, eingehender über die Reduzierungsziele der Industriestaaten zu beraten. Die 27 EU-Staaten haben sich inzwischen verpflichtet, ihre Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu verringern - oder um 30 Prozent, wenn andere Industrie- und Schwellenländer mitziehen. Den afrikanischen Staaten reichen diese Zusagen jedoch nicht aus.
Denn sie sind sich über ihre prekären klimatischen Perspektiven im Klaren. Sie wissen, dass ihrem Kontinent schwerwiegende Probleme bevorstehen. Klimasimulationen, die auf der Grundlage vorhandener Entwicklungen beruhen, sagen voraus, dass extreme Wetterereignisse wie Unwetter oder lange Hitzeperioden zunehmen. Dadurch wird sich die Wüste weiter ausbreiten, fruchtbares Land wird knapper und die Lebensbedingungen verschlechtern sich.
Afrika fordert Entschädigung
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Immer längere Dürreperioden sind Folgen des Klimawandels
Schon jetzt ist Afrika der Kontinent, der am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden hat - ohne selbst viel dazu beizutragen. Genau dies bestätigt der jüngst veröffentlichte Entwicklungsbericht der Weltbank, der sich dieses Jahr mit den Auswirkungen des Klimawandels auf afrikanische Dürregebiete befasst.
Meles Zenawi, Premierminister von Äthiopien, sagte, Afrika könne nicht alleine für die Folgen aufkommen. "Wir werden mit dem Schaden leben, der durch die unvermeidbare Erderwärmung entsteht, und fordern eine Entschädigung und Unterstützung, die uns helfen soll, den Schaden zu begrenzen."
Gemeinsame Position
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Die AU vertritt beim Klima erstmals eine gemeinsame Position
Die afrikanischen Länder wollen sich bei der Klimakonferenz in Kopenhagen gemeinsam dafür einsetzen, dass sie mit knapp 47 Milliarden Euro jährlich unterstützt werden. Außerdem verlangen sie, dass die Industriestaaten bis zum Jahr 2020 ihre Emissionen um 40 Prozent reduzieren. Zum Vergleich: Weltweit müssen nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich 100 Milliarden Euro in den Klimaschutz investiert werden. Dazu kommen mehrere zehn Milliarden Euro für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Sven Harmeling, Referent für Klima und Entwicklung von Germanwatch, hält die Forderungen der afrikanischen Staaten für angemessen und begrüßt, dass sie nun eine gemeinsame Position vertreten. „Schon die Tatsache, dass Afrika wahrscheinlich der mit am stärksten betroffene Kontinent des Klimawandels sein wird, führt dazu, dass die Länder sich zusammen tun müssen“. Wenn die Industriestaaten nicht wirklich sehr viel stärker ihre Emissionen reduzierten, als bisher angekündigt, dann seien in vielen Regionen Afrikas die Lebens- und Entwicklungsperspektiven vollkommen in Frage gestellt.
AU droht mit Ausstieg aus Klimaverhandlungen
Die afrikanischen Staaten wollen bei den bevorstehenden Verhandlungen eine starke Position beziehen. Sollten die Industrienationen nicht bereit sein, ihre Emissionen deutlich zu vermindern, drohen die Länder Afrikas, aus den Klimaverhandlungen auszutreten, so Äthiopiens Regierungschef Meles Zenawi: "Wir werden niemals ein weltweites Abkommen akzeptieren, das die Klimaerwärmung nicht auf ein unvermeidbares Minimum begrenzt, egal was uns zur Entschädigung und zur Hilfe versprochen wird". Die Afrikanische Union werde ihre Stimme nutzen, um jede Vereinbarung zu verhindern, die nicht mit ihren minimalen Anforderungen übereinstimme.
Druck auf Industriestaaten
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Die Industriestaaten sind die größten Umweltverschmutzer
Dennoch sind sich die afrikanischen Staatschefs bewusst, dass sie gegen einflussreiche Länder wie die USA oder China Verbündete brauchen. Derzeit arbeiten sie daran, mit einer gemeinsamen Stimme in Dänemark aufzutreten. Wie stark die Verhandlungsmacht der afrikanischen Staaten sein wird, ist laut Sven Harmeling von Germanwatch noch schwer einzuschätzen. Dennoch betont er, dass die Industrieländer es sich nicht erlauben könnten ein Abkommen zu unterzeichnen, wenn möglicherweise 40 afrikanische Staaten gar nicht dabei seien. "Das würde auf jeden Fall zum Scheitern von Kopenhagen führen. Deshalb müssen die Forderungen der Afrikaner auch sehr ernst genommen werden."
Autorin: Miriam Lindenroth / Klaudia Pape
Redaktion: Katrin Ogunsade
















