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Sprachbar

Das Fell des Bären

 

Die deutsche Sprache hat viel Tierisches zu bieten: "Bärenstark", "Affenarsch", "Pferdestärke" sind nur einige Beispiele. Manche Tiere kommen weniger gut weg, andere besser. Ein Sympathieträger ist – meist – der Bär.

 

Manche haben sie zum Fressen gern – wenn sie aus Fruchtgummi sind. Naschkatzen können ein Lied davon singen. In deutschen Namen wie "Bernhard" haben sie auch überlebt. Und aus deutschen Kinderzimmern sind sie als Plüschtier nicht wegzudenken:

Bären.

 

Die Rückkehr

 

Nur aus deutschen Wäldern waren sie verschwunden – für lange 170 Jahre. Dann aber wagte sich mit Bruno im Jahr 2006 endlich wieder ein Exemplar über die Alpen. Aus Südtirol kam er zu uns zurück. Zu uns, wo er so viele hundert Jahre leben durfte, bis wir ihn, unseren starken Freund, erfolgreich vertrieben hatten, ja, bis das letzte Fell des Bären verteilt war.

 

Doch jetzt kam er aus seinem Exil zurück, eine triumphale Rückkehr. Wir alle jubelten, das ganze Land lag sich in den Armen und rief: Hurra, "Der Bär ist los" – Deutschland ist wieder so lebenswert, dass sich selbst Bären bei uns wohl fühlen, sogar in Bayern.

 

Kein Kuschelbär

 

Doch leider benahm sich der so euphorisch begrüßte Bär wie ein Elefant im Porzellanladen, meuchelte unschuldige Schafe, plünderte Bienenstöcke. Hungrig war er, bärenhungrig. Interpretierte die Idee des "Auswärtsessengehens" auf seine Weise.

 

Schon schrieb eine namhafte deutsche Zeitung von der "braunen Gefahr". Aus dem putzigen Meister Petz wurde ein unrasierter, Amok laufender Killer – manche sahen in den Wäldern Oberbayerns schon neue "No-Go-Areas". Was bleibt, ist eine Ahnung, was er, der Bär, einmal für uns war: Ein Symbol der Kraft - in Stadtwappen, wie dem Berliner zum Beispiel, verewigt. Bärenstark. Partner – und Feind zugleich.

 

Einen Bären aufbinden

 

Bis heute ist er nicht wegzudenken aus unserer tierischen Sprache voller Pferdestärken, blinder Hühner, fauler Hunde. Einer Sprache, in der man Flöhe husten hört, Ochsen vorm Berg stehen sieht, ja, man uns einen Bären aufbinden kann.

 

Eine Redewendung für die es übrigens mehrere Deutungen gibt. Die schlüssigste ist folgende: Irgendwann einmal in bärenreichen Zeiten, wurde eine Gruppe von Jägern in einer Gaststätte bedient. Leider konnten die Jäger nicht bezahlen und überredeten den Wirt, einen zuvor gefangenen, lebenden Bären als Pfand da zu lassen. Aber das haben die Jäger dann nicht getan. Sie haben dem Wirt "einen Bären aufgebunden", also ihn angelogen.

 

Zoologische Beschimpfungen

 

Eines der vielen Beispiele, welches zeigt, dass das Tier im Deutschen meist schlecht wegkommt. Beispiele? Bitte: Wer im Deutschen jemanden beschimpfen will, bleibt gern zoologisch – "Ziege", "Hammel", "komischer Vogel" oder, Verzeihung, "Affenarsch". Nicht zu vergessen natürlich die sprachliche Allzweckwaffe "Schwein"!

 

Da gibt es "schweinische Gedanken", man kann sich wie "ein Ferkel benehmen", da werden "Perlen vor die Säue geworfen". Das Schwein ist gewissermaßen das schwarze Schaf der sprachlichen Tierfamilie.

 

Glückssymbol

 

Wobei der Vollständigkeit halber gesagt werden muss: 9000 Jahre Miteinander von Schwein und Mensch haben sich teilweise auch anders niedergeschlagen im Deutschen. Das Schwein steht auch für Glück – "Schwein haben" eben. Wer in früheren Zeiten viele Schweine besaß, dem ging es gut, der war reich.

 

Aber es bleibt dabei – wer sich im Deutschen der Tiere bedient, will meist etwas Negatives ausdrücken. Da können wir tierlieb sein wie wir wollen. Womit wir wieder beim Bären sind, der trotz aller Gefährlichkeit ein ziemlich gutes Image hat. Dazu beigetragen hat sicher der "Teddy". Dunkle Knopfaugen, weiches Fell, dicker Bauch – der Bär als Kinder-Liebling, als urgemütlicher Zeitgenosse. "Probier’s mal mit Gemütlichkeit" singt Balou der Bär im Kinofilm "Das Dschungelbuch".

 

"Teddy" Roosevelt

 

Seinen Weg ins Kinderzimmer fand der "Teddy" durch die Familie Steiff aus dem schwäbischen Giengen, die seit 1903 Stoffbären herstellt. Namensgeber des Teddy soll der damalige US-Präsident Theodor "Teddy" Roosevelt sein. Dieser, ein leidenschaftlicher Bärenjäger, schenkte seiner Tochter zum Geburtstag einen Steiffbären.

 

Das Kind taufte das Stofftier spontan nach seinem Vater. Seitdem wurde das Kuscheltier immer beliebter und unter diesem  Namen bekannt. Nach einer anderen Version verschonte der US-Präsident trotz seiner Jagdleidenschaft ein Bärenbaby.

 

Bärendienst

 

Damit hat, sollte die Version stimmen, der US-Präsident dem Tier einen wirklichen Dienst und keinen "Bärendienst" erwiesen. Denn das bedeutet genau das Gegenteil: Der "Bärendienst" hat seinen Ursprung in der Fabel vom "Einsiedler und seinem gezähmten Bären".

 

Und die geht so: Den schlafenden Einsiedler stören die Mücken, weshalb der junge Bär mit einem Stein nach ihnen wirft. Leider tötet er mit dem Stein nicht die Mücken, sondern den Einsiedler. Das tat er aus Versehen – ganz anders als das illegal nach Bayern eingereiste Mordsexemplar. Es wurde dann auch auf Anweisung erschossen.

 

Todesstrafe statt Bußgeld

 

Da haben wir in Deutschland nach fast zwei Jahrhunderten endlich wieder einen Bären – und dann taugt er nichts. Aber musste es gleich die Todesstrafe sein? Konnte man es nicht, na ja, bei einem Bußgeld bewenden lassen?

 

 

Autor: Ramón Garcia-Ziemsen

Redaktion: Beatrice Warken

 

 

 
 

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