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Muslime in Krankenhäusern

14. April 2009

Wenn muslimische Patienten den Geboten des Koran folgen, so ist dies in deutschen Krankenhäusern oft schwierig. Einige Krankenhäuser bieten deshalb ihren Mitarbeitern interkulturelle Trainingsmaßnahmen an.

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Muslimische Mitbürger sitzen auf Teppichen in ihrem Gebetsraum in der Stauferklinik in Schwäbisch-Gmünd, Foto: DPA
Mittlerweile richten viele Krankenhäuser auch Gebetsräume für Muslime einBild: picture-alliance/dpa

Imad Hassan ist 36 Jahre alt und hat sich in einer Kölner Klinik einer Nasenoperation unterzogen. Mit der medizinischen Versorgung des Krankenhauses ist er mehr als zufrieden, dennoch fühlt er sich – wie viele muslimischen Patienten – nicht so recht respektiert. "Was mich am meisten stört, ist das Essen. Nicht die Qualität des Essens, sondern die Sache mit dem Schwein – man nimmt es nicht ernst. Man wird ja bei der Aufnahme direkt nach dem Essen gefragt, Vegetarier oder Nicht-Vegetarier, Muslim oder nicht. In der Antragstellung steht dann öfters mal muslimisches Essen zur Auswahl, aber darauf achtet man nicht so sehr", sagt Imad Hassan. Die meisten Krankenhäuser in Deutschland bieten zwar spezielle Speisen für Muslime an, im hektischen Krankenhausalltag kommt es gelegentlich vor, dass das falsche Essen auf dem Teller liegt: Was für gläubige Muslime schon mal eine halbe Katastrophe bedeutet, ist für die Leute von der Essensausgabe höchstens ein kleiner Patzer So kommt es täglich zu Missverständnissen, auch in anderen für Muslime sensiblen Bereichen.

Frauen sollten nicht von Männern behandelt werden

Jama Maqsudi ist stellvertretender Geschäftsführer der AG Dritte Welt e.V. und dort speziell für Migrationsfragen zuständig. Er kennt die sensiblen Problemfelder in Deutschlands Krankenhäusern ganz genau. "Wenn sie gerade die Frauen als Beispiel nehmen: Dass sie von Männern behandelt werden, beziehungsweise von Männern gepflegt werden, dann ist das schon eine Überwindung oder stellt ein Problem für sie dar. Ein anderer Punkt kann unter Umständen auch die sprachliche Barriere sein. dass niemand da ist, um richtig zu übersetzen und Befindlichkeiten oder Empfindlichkeiten den Ärzten oder dem medizinischen Personal zu erklären."

Rehanova Rehabilitationsklinik in Köln
Die arabische Aufschrift soll das Personal ans "Anklopfen" erinnernBild: Diana Hodali

Unterschiede zwischen den Ländern

Muslimische Traditionen unterscheiden sich im Einzelnen zudem je nach dem Herkunftsland der Patienten. So lehnen viele Muslime aus arabischen Ländern alles Fleisch ab, das nicht nach muslimischen Regeln - also "Halal" - geschlachtet ist. Für andere wiederum spielt das keine Rolle. Der kleine aber feine Unterschied ist Ärzten und medizinischem Personal oft nicht bekannt. Problematisch ist der Krankenhausalltag allerdings auch aus der Sicht nicht-muslimischer Zimmergenossen, sagt Imad Hassan: "In unseren Ländern sind die Besuche im Krankenhaus viel zahlreicher als hier. Wenn einer krank ist, dann kommen ihn zehn, zwanzig Leute gleichzeitig besuchen. Es ist auch normal, dass wenn man in Zwei- oder Dreibettzimmern liegt, dass auf einmal für jedes Bett zehn Leute da stehen. Für uns ist das ja eher eine Ehre, einen Kranken zu besuchen."

Herausforderung für das Personal

Was für den Einen eine besondere Ehrerbietung, ist für den Anderen oft eine Zumutung. Kulturell unterschiedlich gepflegte Besucherrituale führen in deutschen Kliniken nicht selten zu Konflikten und stellen bisweilen eine Herausforderung für das medizinische Personal dar. Magnus Eggers von der Pflegeleitung der Uniklinik Köln fordert daher auch ein gewisses Entgegenkommen von muslimischer Seite ein. "Wir versuchen schon hier in der Klinik gewisse Regeln, die für uns als Deutsche, aber auch für alle anderen gelten, auch den muslimischen Patienten transparent zu machen und auch da um Verständnis zu bitten. Aber auch hier sind wir als Klinikum sehr tolerant und flexibel und passen das auch immer der Ist-Situation an und entscheiden wirklich dann, wenn es zu massiven Störungen im Ablauf kommt, dass es eventuell zu Einschränkungen der Besuchszahlen führt".

Interkulturelle Kompetenz antrainieren

Um Ärzte und Pflegepersonal besser für vorhandene Problemfelder zu sensibilisieren, bietet die Universitätsklinik Köln Fortbildungsseminare an, in denen die Mitarbeiter über religiöse Hintergründe oder kulturelle Gepflogenheiten von Muslimen mehr erfahren. So wird beispielsweise darüber aufgeklärt, dass das Gesicht verstorbener Muslime direkt nach Todeseintritt nach Mekka – also südöstlich – gewandt sein soll. Auch auf bestimmte Rituale bei der Geburt wird verwiesen. Auf diese Weise ist man nicht nur in Deutschland zusehends bemüht, sich auf muslimische Patienten einzustellen. In den USA etwa hat es das River-View Hospital in Detroit sogar geschafft, die Akkreditierung durch den islamischen Gesundheitsdienst, dem "Islamic Health and Human Services", zu erhalten. Zur Debatte, ob es künftig in Europa islamische Krankenhäuser geben sollte, hat Jama Maqsudi eine klare Haltung. Er sei ein Verfechter des interkulturellen Lebens, und es sei nicht notwendig irgendwelche gesonderten Maßnahmen oder gesonderte Einrichtungen zu schaffen. "Die Menschen müssen miteinander zusammen leben und auch voneinander mehr erfahren. Das sind so Kleinigkeiten: Wenn man bestimmte Maßnahmen ergreift, dann ist es absolut nicht notwendig, irgendwo muslimisches Krankenhaus zu gründen".

Außenansicht der zur Universität Köln gehörenden Frauenklinik, Foto: DPA
In der Uniklinik Köln gibt es Seminare für interkulturelle Kompetenz für das PersonalBild: picture-alliance/dpa

Autorin: Ulrike Hummel
Redaktion: Diana Hodali