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Umstrittene Bonuszahlungen und Managergehälter – wie geht es weiter?

Millionen-Provisionen für Investmentbanker sind Gift für die Wirtschaft und haben die Wirtschaftskrise mit verursacht, meint der 36-jährige Geraint Anderson. Er war zwölf Jahre lang Investmentbanker in London und arbeitete sowohl für die Commerzbank als auch für die Dresdner Kleinwort.

 

Kurz vor der Finanzkrise kündigte er seinen Job und schrieb ein Buch über seine Erfahrungen. Heute lebt er in seinem schmucken viktorianischen Häuschen in der City und genießt sein Millionärsleben. Für ihn und seine Kollegen waren Bonuszahlungen, die weit höher waren als das Fixgehalt, die Regel. In der Bankenmetropole Frankfurt am Main befindet sich die Zentrale der Investmentbank Dresdner Kleinwort. Sie fusioniert gerade mit der Commerzbank. Wie will man hier in Zukunft mit den kritisierten Managerboni umgehen? Christian Pricelius hat nachgefragt.

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Geraint Anderson wohnt im Londoner Stadtteil West-Kensinton. Er ist Millionär und lebt von seinen Geldrücklagen. 12 Jahre arbeitete er als Investmentbanker. Im Frühjahr 2008, rechtzeitig vor dem Finanzcrash, stieg er aus. Davor schrieb er anonyme Zeitungsartikel und lästerte über die Bankerszene.

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"Es war so, als wenn Dir jemand Geld gibt und sagt, damit kannst Du zocken. Und beeil dich, das Casino könnte jederzeit schließen. Verspielst Du das Geld, ist das kein Problem, im schlimmsten Fall verlierst Du Deinen Job. Machst Du Profit, kannst Du zehn Prozent behalten. Was passiert also in so einem Szenario? Du wettest, du zockst, ohne Rücksicht, und genau das passierte."

Er schrieb ein Buch über die Szene der Investmentbanker als Insider, als einer von Ihnen. Bis kurz vorm Finanzcrash hatte er Millionen Bonuszahlungen verdient. Ob die Wertpapiere, die seine Kollegen verkauft haben, auch wirklich ihr Geld Wert waren, wurde nicht ordentlich geprüft.

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Zuletzt arbeitete Geraint Anderson in London bei der Dresdner Kleinwort Investmentbank. Davor bei der Commerzbank. Bei der Kleinwort verzockten letztes Jahr seine Kollegen und vielleicht auch er 6,2 Milliarden Euro.

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In Frankfurt hat die Dresdner Kleinwort einen weiteren Standort. Mittlerweile gehört sie zur Commerzbank und die hatte nicht gemerkt, welche Verluste sie sich mit dem Kauf der verschuldeten Dresdner Kleinwort eingehandelt hat. Nun benötigt die Commerzbank 18 Milliarden Euro Staatshilfen. Davon müssen auch noch Hunderte Millionen Boni bezahlt werden, für die Londoner Investmentbanker. Das war bei der Übernahme so geregelt.

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In der Commerzbank gibt man zu dem Thema eigentlich keine Interviews. Das ganze Bonussystem werde derzeit geprüft, heißt es. Dann kommt doch die Pressereferentin Beate Schlosser. Erklärungsversuche:

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"Bei der Dresdner Kleinwort werden wir so vorgehen, dass nur das bezahlt wird, was individuell und einzelvertraglich zugesichert worden ist. Darüber hinaus wird es keine Zahlungen geben. Und das wird ein wesentlich geringerer Betrag sein, als das was zur Zeit in der Presse zu lesen ist."

Christian Strenger ist Aufsichtsrat der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Außerdem arbeitet er für die deutsche Wirtschaft an einem Kodex für vorbildliche Unternehmensführung. Seit der Finanzkrise ist er zum Kritiker der eigenen Zunft geworden.

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"Die Kritik setzt da an, dass die Vorstände und sonstigen Manager eben das, was sie gekauft haben, nicht wie jeder ordentliche Kaufmann vorher sorgfältig geprüft haben. Und es ist ihnen eben auch zu leicht gemacht worden von den Aufsichtsräten, die es nicht verlangt haben, dass die Vorstände ihnen das erklären, was für Risiken damit verbunden sind."

Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung hat es bislang nicht gut geklappt. Nun soll es ein freiwilliges Managerkonto mit Bonus und Strafpunkten geben. Die Bundesregierung will außerdem ein Gesetz, das die Auszahlung von Boni erst nach mehreren Jahren erlaubt.

Christian Strenger, Regierungskommission Corporate Governance Codex: "So dass gegen gerechnet wird, wenn einer sehr gut abgeschnitten hat, aber dann schlecht abschneidet in den folgenden Jahren, dass das aufgerechnet wird. Ein ganz einfaches Kontos, wo eben erst zum Schluss abgerechnet wird, was wirklich nachhaltig auch übrig geblieben ist, für das Unternehmen."

Die Welt des Investmentbankings wird bestehen bleiben, in London und in Frankfurt, glaubt Aussteiger Geraint Anderson. Ob der nun überall diskutierte Mix an Selbstverpflichtungen und gesetzlichen Beschränkungen ausreichen wird, das bezweifelt er.

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"Man muss international zusammenarbeiten, damit wir so einen Crash nicht nochmal erleben. Aber es wird immer Orte wie Zürich oder Dubai geben, die rufen: Kommt zu uns, Investmentbanker."

Geraint Anderson schreibt bereits an seinem nächsten Buch. Diesmal eine erfundene Geschichte über Banker. Stoff dafür hat er jedenfalls genug.

 

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