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Afrika | 24.12.2008

Alte Kriege, neue Krisen: Afrika 2008

 

Auch 2008 kam Afrika, einigen positiven Aspekten zum Trotz, nicht zur Ruhe. Neben den bekannten Unruheherden tauchten neue Krisen auf - nicht nur zu Lande.

 

Moderne Piraten, die mit Maschinengewehren und winzigen Fischerbooten riesige Hochseedampfer kapern: Kaum ein anderes Bild aus Afrika dürfte die Welt 2008 stärker beeindruckt haben. Bis zum Jahresende werden somalische Seeräuber gut 100 Schiffe in ihre Gewalt gebracht haben, trotz des neuen Aufgebots an Marineschiffen, auch aus Deutschland. Der spektakulärste Coup war der Überfall auf den saudischen Öltanker "Sirius Star" mit zwei Millionen Barrel Öl an Bord.

Aber am Horn von Afrika herrscht nicht nur Krieg auf dem Wasser. Auch in Somalia selbst, seit fast 18 Jahren ohne Regierung, ist kein Frieden in Sicht. Die äthiopischen Truppen, die vor zwei Jahren in Somalia einmarschierten, konnten die Islamisten nicht zurückdrängen. Inzwischen kontrollieren die radikalen Kräfte wieder fast das ganze Land. Selbst die bislang stabilen Regionen Somaliland und Puntland im Norden wurden in diesem Jahr von Anschlägen erschüttert.

Hoffnungsschimmer

AnaophelesmückeBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Anophelesmücken sind die Überträger der Malariaerreger

Nichts Neues also aus Afrika? Doch. Es gab 2008 auch Gutes zu berichten: Nach vielversprechenden Tests wuchs die Hoffnung, dass es bis 2012 eine wirksame Impfung gegen Malaria geben könnte. Eine Million Menschen stirbt derzeit jedes Jahr an der von Moskitos verbreiteten Tropenkrankheit, vor allem Kinder.

Frauenrechtlerinnen feiern Ruandas Kabinett, in dem Frauen die Mehrheit stellen, wie auch im Parlament. Das gibt es sonst nirgends auf der Welt. Und die globale Wirtschaftskrise soll Afrika so gestärkt überstehen wie kein anderer Kontinent: Während die Industrieländer in die Rezession sinken, sagt der Internationale Währungsfonds Afrika ein Wirtschaftswachstum von mindestens fünf Prozent voraus.

Eskalation in Kenia

Flüchtlinge im KongoBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Immer wieder auf der Flucht - diesmal im Kongo

Dass aber Krisen in Afrika sehr plötzlich eskalieren können, zeigte 2008 die Gewalt im Touristenparadies Kenia. Im Wahlkampf von Politikern angeheizt, fielen Milizen einiger Ethnien nach offensichtlich gefälschten Wahlen vor Jahresbeginn mit ungeahnter Brutalität über gegnerische Volksgruppen her. Mehr als tausend Menschen starben, das Land ist zerrissen.

Die unter Vermittlung des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan gebildete Regierung in Kenia macht unterdessen als Koalition der Absahner von sich reden: Während Abgeordnete sich weigern, ihre Bezüge besteuern zu lassen, wissen normale Kenianer nicht, wie sie das binnen eines Jahres um fast 200 Prozent teurer gewordene Maismehl noch bezahlen können. Mit ihrer Wut über zu teure Lebensmittel waren die Kenianer 2008 nicht alleine: Ob in Kamerun, in der Elfenbeinküste oder in Burkina Faso, überall wurde protestiert.

Angst und Schrecken

Cholera-Patient in SimbabweBildunterschrift: Eine Cholera-Epidemie sorgt in Simbabwe für einen neuen Tiefpunkt

Auch schwelende Konflikte brachen wieder auf: Im Osten Kongos marschierte der abtrünnige General Laurent Nkunda auf die Provinzhauptstadt Goma zu. Hunderttausende Menschen wurden vertrieben, oft zum wiederholten Mal in nur wenigen Jahren. Im Südsudan wurde bei Kämpfen in Abyei deutlich, dass zwischen der islamischen Regierung im Norden und der "Volksbefreiungsarmee" im Süden noch längst kein Frieden herrscht. Im westsudanesischen Darfur bombardierte die Regierung weiter Dörfer, die zerstrittene Rebellenbewegung versetzte Zivilisten in Angst und Schrecken.

Im Januar 2008 wurde Kenia von schweren Unruhen erschüttertBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Im Januar 2008 wurde Kenia von schweren Unruhen erschüttert

Unterdessen klammerte sich der 84-jährige Präsident Robert Mugabe in Simbabwe weiter mit allen Mitteln an die Macht. Nach verlorener Wahl Ende März zog er allein in die Stichwahl und ließ sich zum Sieger erklären. Oppositionelle verschwanden, und Journalisten wurden verhaftet, während die Bevölkerung unter einer Hyper-Inflation stöhnt und trotz des Zusammenbruchs des Staates zu überleben versucht. Dass Hunderte Menschen in der einstigen Kornkammer Afrikas an Cholera starben, markierte einen neuen Tiefpunkt.

Das Nachbarland Südafrika stellt sich bereits auf die Wahlen im April oder Mai 2009 ein. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki, der erfolglos in Simbabwe vermittelt hatte, musste im September 2008 zurücktreten. Zu groß waren die Differenzen mit dem Flügel im regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC), der den neuen Parteichef und Präsidentschaftskandidaten Jacob Zuma unterstützt. Die Folge ist eine Abspaltung vom ANC: Der neue "Volkskongress" will die Parteienlandschaft verändern. (epd/wga)

 
 

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