Projekt Zukunft
Galileos Enkel - HighTech für die Teleskope von morgen
Moderne Teleskope haben mit ihrem Vorläufer nur noch wenig zu tun: Sie sind größer, leistungsfähiger und viel komplizierter. Bestes Beispiel: das Europäische Extreme Large Telescope, das E-ELT. Wenn es im Jahr 2017 seinen Betrieb aufnimmt, dann wird es die modernste Anlage ihrer Art sein - eine neue Klasse von Hochleistungsteleskopen, 100 mal empfindlicher als heutige vergleichbare Teleskope.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: So soll es einmal aussehen: das größte Teleskop der Welt. 42 Meter Durchmesser wird sein Hauptspiegel haben. Ein Projekt der Europäischen Südsternwarte ESO. Das Extreme Large Telescope ELT soll einen ganz neuen Blick ins Universum liefern. Darauf hofft Matthias Steinmetz vom astrophysikalischen Institut Potsdam: "Es muss möglichst groß sein, damit es möglichst viel Licht sammeln kann. Je mehr Licht man sammeln kann, desto schwächere Objekte kann man sehen und desto tiefer kann man in das Universum hineinschauen."
... und das im sichtbaren und im infraroten Teil des Spektrums - Licht, das durch die Atmosphäre hindurch zur Erde gelangt. Was dem Forscher Sorge bereitet, ist die Atmosphäre selbst. Bei modernen Großteleskopen muss man auch die Atmosphäre korrigieren. Zusammen mit einem Forscherteam hat er die Lösung für das Problem gefunden: Markus Kissler-Patig will eine besonders raffinierte Technik anwenden: die adaptive Optik. Entwickelt hat er sie bei der Europäischen Südsternwarte ESO.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Markus Kissler-Patig erklärt das so: "Wir haben diese glatten Bilder, die vom Weltall kommen. Die werden verzerrt durch die Erdatmosphäre. Wir haben also diese verzerrten Bilder, die auf das Teleskop treffen und würden sie gerne entzerren. Dazu bauen wir in das Teleskop einen Spiegel ein, nicht einen glatten, sondern einen, den wir verformen können. Hundert mal pro Sekunde verformen wir den, berechnen, wie die Verformungen genau aussehen müssen, um diese verzerrten Bilder eben wieder glatt zu kriegen. Die verzerrten Bilder kriegt sie wieder glatt und schickt sie eben als perfekte scharfe Bilder auf die Instrumente zu. Das heißt: ein Bild, das sonst wie ein Fladen aussehen würde, wenn wir das anschalten, ist dann gestochen scharf."
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Eine besondere technische Herausforderung: das Gießen des Spiegels. Einen Durchmesser von 8 Metern konnten die Hersteller noch bewältigen. Aber 42 Meter in einem Stück? - Unmöglich. Deshalb wird der große Hauptspiegel des ELT in 984 kleine Spiegel aufgeteilt. Und jeder Teilspiegel ist einzeln justierbar.
Die Konstrukteure müssen auch darauf achten, dass das Teleskop erdbebenfest und sturmsicher gebaut wird. Denn einer der möglichen Standorte für das Riesenteleskop ist die oft stürmische Hochebene Chajnantor (tschai ´nantor) in Chile. Hier baut die ESO bereits an einer anderen Teleskop-Anlage: ALMA genannt. 64 Radio-Antennen sollen das Universum im Radiowellenbereich durchleuchten. Von ALMA und ELT zusammen versprechen sich die Astronomen dann zukunftsweisende Erkenntnisse.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Markus Kissler-Patig von der europäischen Südsternwarte ESO fragt sich, ob wir alleine sind? Gibt es noch Leben außerhalb unseres Sonnensystems? Die soll beantwortet werden.
Und das lassen sich die Europäer auch einiges kosten: Entwicklung, Bau und Betrieb des 42-Meter-Teleskops werden 800 Millionen Euro verschlingen. Dafür bekommen sie dann aber auch ein Gerät, von dem Galileo Galilei wohl nur träumen konnte, damals, vor 400 Jahren, als er zum ersten Mal durch ein Fernrohr ins Weltall blickte.

















