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NATO-Verteidigungsminister

9. Juni 2011

Die NATO will die Sicherheit Afghanistans möglichst bald in die Hände der Afghanen legen. Doch in den ISAF-Ländern ist der Einsatz immer schwieriger durchzusetzen. Verteidigungsminister de Maizière rät zu Augenmaß.

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Verteidigungsminister Thomas de Maizière
Thomas de Maizière möchte, dass die Bundeswehr Afghanistan bis 2014 verlässt.Bild: picture alliance/dpa

„Es bleibt dabei, dass wir bis 2014 den bisherigen Kampfeinsatz beenden wollen. Es wird darüber hinaus und danach andere Formen von Präsenz und Unterstützung in Afghanistan geben, sagte der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizère auf einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel am Donnerstag (09.06.2011).

Warnung vor überstürztem Abzug

Für Deutschland bleibe es ebenfalls dabei, dass zum Jahresende 2011 hin mit dem neuen Mandat für Afghanistan der Abzug beginne, so de Maizière. Allerdings werde dies immer unter Beurteilung der dann entstehenden Lage geschehen, so der Verteidigungsminister.

De Maizière und einige seiner Amtskollegen warnen aber vor einem überstürzten Abzug, vor allem der Amerikaner, die mit großem Abstand das größte Kontingent stellen. Er setze „auf einen maßvollen Schritt des amerikanischen Präsidenten“, so de Maizière.

NATO-Verteidigungsminister tagen in Brüssel am runden Tisch
Die NATO-Verteidigungsminister wollen beim Afghanistan-Abzug nichts überstürzen.Bild: AP

In den Augen von NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen ist diese Sorge allerdings unbegründet. Auf dem Treffen in Brüssel stellte er klar, dass er mit einem langsamen Abzug vom Hindukusch rechne: „Es wird kein Gedränge Richtung Ausgang geben", so Rasmussen, "alle ISAF-Partner werden dies zu Ende bringen - ohne, dass es vom Kalender diktiert wird.“

Seitenhiebe gegen Deutschland

Auch der scheidende US-Verteidigungsminister Robert Gates versprach, sein Land werde nicht übereilt aus Afghanistan abziehen. Beim Thema Libyen verteilte Gates Seitenhiebe: Obwohl längst ein NATO-Einsatz, werde die Libyen-Mission doch im Wesentlichen von nur einigen wenigen Ländern getragen, vor allem von Frankreich und Großbritannien: "Die Frage ist, wie schmerzlich der Libyen-Einsatz noch werden wird, wenn andere Länder, die die Fähigkeiten zur Mithilfe hätten, nicht mitmachen.“, warnte Gates in Brüssel.

Damit ist nicht zuletzt Deutschland gemeint. Zwar betonte Verteidigungsminister de Maizière, Berlin werde sich auch weiterhin an dieser Mission nicht beteiligen. Aber für die Zeit nach Gaddafi schließt er, das wurde in Brüssel klar, einen deutschen Militäreinsatz unter UNO-Mandat nicht aus. Er hoffe auf eine Lösung ohne militärische Präsenz, aber „wenn es anders kommen sollte, werden wir das konstruktiv prüfen“, so der Minister.

US-Verteidigungsminister Robert Gates
Seitenhiebe gegen Deutschland: US-Verteidigungsminister Robert GatesBild: AP

NATO-Sparzwang trifft auch Deutschland

De Maizière bestätigte auch, dass Deutschland von den Sparmaßnahmen der NATO direkt betroffen sein werde. Deutschland verliert das Streitkräftekommando Heidelberg mit mehreren Hundert Beschäftigten. Das Luftstreitkräftekommando Ramstein bleibt aber erhalten. Trotzdem lobte de Maizière die schwierigen und lange heftig umstrittenen Maßnahmen in höchsten Tönen und betonte: „Die Veränderung der Kommandostruktur der NATO ist ein großer Erfolg. Ähnliches haben wir ja auch bei der Bundeswehr vor. Das ist eine große Leistung.“ Er dürfte damit auch versuchen, auf bevorstehende Standortschließungen in Deutschland psychologisch vorzubereiten.

Autor: Christoph Hasselbach
Redaktion: Friedel Taube