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Deutsche Reporter sind wieder zu Hause

20. Februar 2011

Nach mehr als vier Monaten Haft im Iran sind zwei deutsche Journalisten wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Begleitet wurden sie von Außenminister Guido Westerwelle, der dazu eigens in den Iran gereist war.

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Die beiden im Iran inhaftierten deutschen Reporter steigen zusammen mit Guido Westerwele aus dem Flugzeug (Foto: dpa)
Wieder in der Heimat: die beiden Reporter, begleitet von WesterwelleBild: Picture-Alliance/dpa

Ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich Außenminister Westerwelle erleichtert über die Freilassung der beiden Reporter aus iranischer Haft. Er dankte allen daran Beteiligten, auch seinem iranischen Amtskollegen Ali Akbar Salehi für dessen Engagement. "Viele haben geholfen, viele Räder haben ineinandergegriffen", sagte Westerwelle am Sonntag (20.02.2011) in Berlin. Er beschrieb die Freilassung als "sehr komplizierten Fall".

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (Foto: AP)
Nahm die Deutschen in Teheran in Empfang: Außenminister Guido WesterwelleBild: AP

Westerwelle war als erster deutscher Außenminister seit 2003 nach Teheran gereist, um die beiden Journalisten Jens Koch und Marcus Hellwig persönlich in die Heimat zu begleiten. Nach Monaten diplomatischen Tauziehens hatte die iranische Justiz schließlich ein Urteil gefällt, das zu der Freilassung am Samstag führte. Die ursprüngliche Gefängnisstrafe von 20 Monaten wurde in eine Geldstrafe von jeweils umgerechnet rund 36.000 Euro umgewandelt.

Treffen mit Ahmadinedschad und Salehi

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurden die beiden Reporter am Samstagabend vor ihrer Ausreise zunächst zur deutschen Botschaft in Teheran gebracht. Sie waren in den vergangenen Monaten in der nordwestlichen Provinzhauptstadt Täbris festgehalten worden.

Wie das Bundespresseamt in Berlin berichtete, traf Westerwelle in Teheran nicht nur mit Salehi zusammen, sondern auch mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Dieser wird wegen seiner extremen Positionen als Gesprächspartner von westlichen Politikern sonst eher gemieden.

Der FDP-Politiker selbst erwähnte vor Journalisten nur das Gespräch mit Salehi und sagte, er habe bei dem Treffen die bestehenden Differenzen mit der Führung in Teheran angesprochen und dabei auch den Streit um das iranische Atomprogramm erwähnt.

Gegen iranische Gesetze verstoßen

Die Iranerin Sakineh Mohammadi-Ashtiani (Foto: AP)
Sakineh Mohammadi-Ashtiani, wegen Ehebruchs zum Tode verurteiltBild: AP

Die beiden Reporter der "Bild am Sonntag" waren am 10. Oktober 2010 im irakischen Tibris bei dem Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen, die wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt worden war. Den Deutschen wurde ein Verstoß gegen Visabestimmungen vorgeworfen. Sie sollen mit einem Touristenvisum eingereist sein und bewusst gegen iranische Gesetze verstoßen haben.

Kanzlerin Merkel sagte der "Bild am Sonntag" nach der Freilassung, sie hoffe, dass die beiden Journalisten sich bald erholten und die schlimmen Erlebnisse der letzten Monate überwinden könnten.

Iranische Medien berichteten, die deutschen Reporter hätten mit der Umwandlung der Gefängnisstrafen in Geldbußen "islamische Gnade erfahren". Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hatten Angehörige zuvor bei der iranischen Regierung um Gnade für die beiden Männer gebeten. Zudem hatte Außenminister Westerwelle Ende Januar Staatssekretär Wolf-Ruthart Born zu Gesprächen nach Teheran geschickt, um sich für eine Freilassung der beiden Reporter einzusetzen. Schließlich hatten sich in Deutschland auch Journalisten, Verleger, Politiker und andere Prominente für die Deutschen eingesetzt.

Autor: Marko Langer / Ursula Kissel (dpa, rtr, dapd, afp)
Redaktion: Hanns Ziegler / Nicole Scherschun