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Kultur & Leben | 06.12.2004

Die neue "Neue Deutsche Welle"

 

Deutschland ist als Musikland international anerkannt: Nena, Rammstein, Die Toten Hosen und viele mehr sind weltweit ein Begriff. Und auch das Interesse von ausländischen Bands an der deutschen Sprache steigt stetig.

 


Selten zuvor konnte man in den deutschen Hitlisten einen derart großen Anteil in Deutschland produzierter Musik finden. Nie zuvor hatten deutsche Produktionen ein solch großes Potential, auch im Ausland veröffentlicht zu werden. Neue Musikkulturen wie Rap, Hip Hop, House und Techno wurden zu einem ganz wesentlichen Teil in Deutschland geprägt. Und auch wenn man nicht gerade ein Fan seiner Musik ist - Deutschlands Pop-Gigant Dieter Bohlen gilt als einer der erfolgreichsten Musikproduzenten.

 

Eisgekühlter Bommerlunder in Südamerika

 

Toten Hosen Sänger Campino betreibt Hochleistungssport auf der BühneBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Toten Hosen Sänger Campino betreibt Hochleistungssport auf der BühneDeutsche Musik rockt - nicht nur in Deutschland. Rammstein hat schon lange den amerikanischen Musikmarkt erobert. Und auch als sich 1982 fünf Düsseldorfer Jungs Verstärker und Instrumente besorgten, um Düsseldorf und Umgebung mit Punkrock zu verunsichern, ahnte wohl noch niemand, dass ihre Band "Die Toten Hosen" einmal die Spitze der deutschen und internationalen Punk-Musik-Szene stürmen würden.

 

"Von unseren 20 besten Konzerten überhaupt, haben wir mindestens sechs in Argentinien gemacht", schwärmt Campino. "Den Toten Hosen gelang es, diejenigen, die sie noch nicht kannten, zu hypnotisieren und endgültig für sich einzunehmen. Ihre Refrains hatten auch einmal etwas vom Glam Rock und ihre Bühnenschau machte so manchen sprachlos", schrieb die argentinische Zeitung "La Nacion". Und nach einem Hosen-Konzert in Paraguay berichtete der heimische "Ultima Hora": "Für das Anheizen der Zuschauer waren die lokalen Bands "Enemigos de la Klase" und "Antitesis" zuständig, die ihr Bestes gaben, deren Auftritt aber ein wenig verblasste angesichts der Professionalität der Deutschen."

 

Musik verbindet

 

Gentlemen ist ein anerkannter und beliebter deutscher Dancehall-Künstler im Heimatland des ReggaeBildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Gentlemen ist ein anerkannter und beliebter deutscher Dancehall-Künstler im Heimatland des ReggaeTillmann Otto spricht Patois. Er wohnt in Köln und er macht Reggae, der genau so gut aus dem Herzen Jamaikas stammen könnte. Tillmann Otto ist Gentleman. Mit seiner Musik setzte er Maßstäbe für eine stetig wachsende Reggae- und Dancehall-Bewegung in Deutschland und genießt mit seiner Far East Band international höchstes Ansehen. In seiner zweiten Heimat Jamaika tönen seine Styles über den Äther und in Kingston wurde dem weißen Raggamuffin die Ehre zuteil, vor einer 30.000 Mann starken Menge aufzutreten. Die Brücken, die hier zwischen zwei weit auseinander klaffenden Kulturen geschlagen werden, sind erstaunlich. Die Traditionen und die Vibes Jamaikas Bevölkerung und Musik sind bei Gentlemen tief verwurzelt. Werte wie Righteousness und Consciousness hat er verinnerlicht und macht sie zum Gegenstand seiner Lyrics.

 

Und während man in Deutschland über eine Quote für deutsprachige Musik im Radio streitet, erfreut sich bei ausländischen Musikern die Sprache Goethes zunehmender Beliebtheit. "Eine Umfrage hat gezeigt, dass auf allen Kontinenten das Interesse an deutschsprachiger Rock-und Pop-Musik wachse", teilte das Deutsche Musik-Exportbüro mit. Vor allem in osteuropäischen Staaten sei Deutsch als Sprache für eigene Produktionen schwer im Kommen. "Dass jetzt in allen Erdteilen das Interesse an deutschsprachiger Musik wächst und ausländische Musiker zunehmend auf deutsch singen, ist eine dauerhafte Entwicklung auf breiter Basis und kein kurz aufblühender Trend", sagte Björn Akstinat vom Deutschen Musik-Exportbüro.

 

Und um es in den Worten des Hosen-Frontmannes Campino zu sagen: "Vergiss die Wirtschaftskrise - hier geht es um Kulturaustausch".

 

 

Nadim Abdul-Karim

 

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