1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages


 

Alltagsdeutsch

Hauptbahnhof

 

Die Zeiten, in denen Bahnhöfe vor allem aus ein paar zugigen Bahnsteigen bestanden, sind vor allem in den größeren Städten lange vorbei. In den letzten Jahren hat sich das "Gesicht" der Bahnhöfe drastisch gewandelt.

 

Bahnhofsdurchsage:
Einsteigen, Türen schließen selbsttätig. Vorsicht bei der Abfahrt!

Sprecherin:
Im Herzen der Stadt, gleich neben dem berühmten Kölner Dom, befindet sich der Hauptbahnhof. Steht man vor dem Haupteingang, kann man durch eine große Glasfront in das Innere des Bahnhofs schauen. Man sieht allerdings noch keine Züge. Was den Besucher erwartet, schildert uns Friedel Garms, Service-Chef des Kölner Hauptbahnhofes.

Friedel Garms:
"Wenn man reinkommt, hat man den Service-Point. Das ist der Empfang des Kunden, das heißt, jeder Kunde, der sich nicht auskennt, kann rangehen, kann kurz fragen, ihm wird geholfen, er kann Geld hinterlegen oder Briefe für Angehörige. Wir rufen auch aus."

Sprecher:
Das erste, was man sieht, wenn man den Bahnhof betritt, ist der Service-Point. Das ist die englische Bezeichnung für die Informationsstelle. Point heißt übersetzt "Punkt", also eine Art Treffpunkt für alle, die irgendwelche Fragen haben. Wenn Herr Garms von Kunden spricht, meint er damit die Gäste, die in den Bahnhof kommen. Das können Leute sein, die mit dem Zug wegfahren oder ihre Freunde oder Familie vom Zug abholen. Das Wort Kunde stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet "der Bekannte". Früher bezeichnete man Kunden vor allem als Wirtshauskunden. Denn wenn sich die Leute häufig in einem Wirtshaus oder einer Gaststätte trafen, waren sie dem Wirt nach einiger Zeit gut bekannt.

Sprecherin:
Links vom Service-Point trifft man auf einen anderen wichtigen Ort im Bahnhof: das Reisezentrum. Hier können Fahrkarten gekauft und Plätze reserviert werden. Manfred Utsch, der stellvertretende Leiter des Reisezentrums, zählt die Angebote auf:

Manfred Utsch:
"Wir haben einmal den Express-Verkauf, wo der Kunde ohne Reservierung, ohne große Fahrplan-Auskunft ein Ticket bekommt. Als zweites haben wir diese Universalschalter, wo der Kunde intensive Beratung mit einem Verkaufsgespräch bekommt. Als drittes haben wir im Reisezentrum noch diese zwei Counter DB-Reisebüro, wo der Kunde alle touristischen Leistungen, im Endeffekt Flüge, Hotelbuchungen, Unterkünfte in jegliche Destinationen, die wir mit unseren Partnern anbieten, buchen kann."

Sprecher:
Wenn Herr Utsch von Counter spricht, meint er damit die verschiedenen Schalter, an denen die Fahrkarten gekauft oder auch wieder zurückgegeben werden können. Counter kommt aus dem Englischen und war bisher die allgemeine Bezeichnung für die Flugscheinschalter an Flughäfen. Ein spezieller Schalter ist das DB-Reisebüro, wobei DB als Abkürzung für "Deutsche Bahn" steht. Ein anderer Schalter nennt sich Express-Verkauf. Dort gibt es keine langen Wartezeiten, denn das Wort Express bedeutet "schnell" oder "eilig". Ganz schnell bekommt man da sein Ticket, seine Fahrkarte, für jegliche Destinationen, womit die Reiseziele gemeint sind. Ursprünglich bedeutet Destination "Bestimmung" oder "Endzweck", was wiederum auf das Verb "destinieren", also "bestimmen" zurückgeht.

Sprecherin:
Glück gehabt, wenn man seinen Zug bekommt. Aber manchmal hat man auch Pech, dann ist der Zug schon weg. Was es mit der Redewendung der Zug ist abgefahren auf sich hat, erklärt uns Monika Braun-Gerhards von der Bahnhofsmission:

Monika Braun-Gerhards:
"Also, ich denke, das ist beim Großteil unserer Klienten so, dass der Zug schon abgefahren ist. Also, nicht der Zug vom Bahnsteig, sondern wirklich der Zug in deren Leben. Wo geht's hin, was kann ich machen, was hab' ich für Möglichkeiten. Da ist für viele wirklich Endstation oder ist schon alles gelaufen, der Zug ist weg."

Sprecher:
Als Klienten wurden früher Menschen bezeichnet, die abhängig von einem Herren waren, der ihnen Arbeit gegeben hat. Heute sprechen zum Beispiel Anwälte von ihren Klienten. Monika Braun-Gerhards nennt die Menschen, die zu ihr in die Bahnhofsmission kommen, ebenfalls Klienten, denn sie kümmert sich um sie.

Monika Braun-Gerhards:
"Die Bahnhofsmission ist im Prinzip eine Anlaufstelle für Menschen, für alle Menschen. Also, für jeden, der irgendeine Art von Problem hat. Der kann zu uns kommen. Wir stellen also keine Bedingungen. Wir sind also 'ne so genannte niedrigschwellige Einrichtung. Das heißt, hier kann jeder reinkommen, er muss seinen Namen nicht sagen, außer nachts, das ist aus Sicherheitsgründen."

Sprecherin:
In Deutschland gibt es die so genannte Bahnhofsmission auf allen großen Bahnhöfen. Sie wurde bereits vor über hundert Jahren von der katholischen und evangelischen Kirche gegründet. Der Hintergrund war damals, eine Stelle für Mädchen einzurichten, die vom Land in die große Stadt kamen. Ihnen wurde geholfen, eine Arbeit oder eine Wohnung zu finden. Heute werden vor allem Wohnungslose, Leute, die allein reisen, Behinderte, alte Menschen, aber auch psychisch Kranke betreut. Manche kommen aber auch nur vorbei, um einen Kaffee zu trinken, den es dort umsonst gibt, oder um ein bisschen zu reden.

Monika Braun-Gerhards:'
"Und es ist einfach 'n Anziehungspunkt für Leute jeglicher Art. Also, nicht nur für Reisende, sondern diese ganzen Randgruppen. Man sagt immer so, der Bahnhof ist so 'ne Welt für sich und da zeigt sich eigentlich auch immer, was so in der Gesellschaft sich abspielt."

Sprecher:
Wirklich jeder kann in die Bahnhofsmission kommen, auch Menschen aus den eben erwähnten Randgruppen. Als Randgruppe wird eine Gruppe von Menschen bezeichnet, die aus irgendeinem Grund am Rande der Gesellschaft steht. Diese Menschen unterscheiden sich von den so genannten Normalen darin, dass sie zum Beispiel keine Arbeit oder keine Wohnung haben oder auffallen, weil sie behindert sind. Jeder Normale kann sich aber auch ganz schnell, vielleicht durch ein persönliches Schicksal oder einen Unfall, plötzlich in einer Randgruppe wiederfinden. Der Ausdruck eine Welt für sich bedeutet, dass etwas in sich abgeschlossen und nach Außen abgegrenzt ist. In dieser Welt herrschen auch eigene Regeln.

Sprecherin:
Viele Jugendgruppen leben in ihrer eigenen Welt, haben ihre eigenen Regeln und eigene Ansichten. Layla zum Beispiel gehört zu einer bestimmen Gruppe, der sich jeden Tag am Bahnhof, vor dem Haupteingang trifft. Er erklärt uns, warum gerade hier:

Layla:
"Erstens ist der Bahnhof zentral und man kriegt immer die neuesten Mitglieder seiner Subkultur, fängt man dann direkt am Bahnhof ab und lernt die neuesten Leute direkt hier kennen."

Sprecher:
Wenn Layla von seiner Subkultur spricht, meint er die Punkrocker, zu denen er sich zählt. Punkrocker oder Punks sind Mitglieder einer Jugendbewegung, die bereits in den siebziger Jahren in Großbritannien entstand. Mit ihrem Aussehen, ihrer Lebensweise und der Musik, die sie hören, protestieren sie gegen die bürgerlichen Normen der Gesellschaft, was oft auf Ablehnung stößt. Im Allgemeinen handelt es sich bei einer Subkultur um eine geschlossene Gruppe, die meistens absichtlich im Gegensatz zur vorherrschenden Kultur oder Gesellschaft steht. Die Vorsilbe "sub-" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "unter", eben unter oder unterhalb einer übergeordneten Kultur.

Sprecherin:
Gehen wir zurück in den Hauptbahnhof. Geradeaus am Service-Point vorbei, kommen wir zu der so genannten Markthalle. Dort befinden sich viele Geschäfte, in denen man alles kaufen kann, was man zum Leben braucht. Für das leibliche Wohl wird besonders gut gesorgt. Zwischen Cafés und Kneipen findet man alles Mögliche zu essen. Von türkischen, spanischen, chinesischen bis zu bayrischen Spezialitäten gibt es dort alles, was das Herz oder der Bauch begehrt. Die Geschäfte haben jeden Tag, also auch am Wochenende, ab sechs Uhr dreißig geöffnet, was für viele Reisende ein großer Vorteil ist. Ina Hewing, eine Mitarbeiterin in der Bahnhofsapotheke, ist begeistert von diesem großen Angebot.

Ina Hewing:
"Ich find' toll, dass eben gerade die Pendler hier viel erledigen können, Sachen eben wie Apotheke, wie Reinigung, Supermarkt. Alles das, was man eben sonst im Zweifel im, ich sag mal, Dorf, Heimatdorf, gar nicht mehr erledigen kann, weil morgens noch die Geschäfte geschlossen sind und abends schon wieder bereits alles zu ist."

Sprecher:
Pendler
gibt es auf Bahnhöfen viele. Das sind Personen, die täglich mit dem Zug zwischen ihrer Arbeitsstelle und ihrem Wohnort hin- und herfahren. Der Ausdruck Pendler ist von dem lateinischen Wort "pendulum" abgeleitet, was "Schwinggewicht" heißt. Schwinggewichte hängen zum Beispiel an Standuhren. Dort pendeln sie im Sekundentakt von einer Seite zur anderen.

Sprecherin:
Was auf einem Bahnhof auch nicht fehlen darf, ist ein Geschäft, in dem man seine Reiselektüre kaufen kann. Denn nichts ist langweiliger als eine lange Zugfahrt, auf der man nichts zu lesen hat. Im Kölner Hauptbahnhof gibt es allein drei Buch- oder Zeitschriftenläden. Annette Lux, eine Angestellte, erzählt, was es zwischen den Bücherregalen noch alles zu finden gibt:

Annette Lux:
"Es gibt sehr viel Presse, deutsche und internationale Presse. Es gibt Bücher, Unterhaltung, Krimis. Und dann haben wir natürlich auch ein paar Sachen, die man so braucht als Reisebedarf, zum Beispiel Kulis und 'n paar Briefumschläge, aber auch Brillen, die man zusammenklappen kann, wenn man seine Brille vergessen hat."

Sprecher:
Das ist schon ein besonders großes Angebot, was dieser Buchladen zu bieten hat. Natürlich darf die Presse nicht fehlen. Mit Presse sind Zeitungen und Zeitschriften gemeint. Das Wort Presse stammt von dem lateinischen Wort "premere", was übersetzt "drücken" oder "pressen" heißt. Das Werkzeug, mit dem früher die Bücher und Zeitungen gemacht wurden, ist die Buchdruckerpresse. Sehr beliebt bei Reisenden sind neben Zeitungen auch Krimis. Krimi ist die Abkürzung für "Kriminalroman", und da geht es um Verbrechen, Mord und Totschlag, um spannende Lektüre für eine lange Zugfahrt. Wer im Zug nicht lesen möchte, sondern etwas schreiben will, der kann das mit einem Kuli tun. Kuli ist die Kurzform für "Kugelschreiber". Dieses Schreibutensil wurde von einem Hamburger Kaufmann bereits 1928 erfunden und hieß damals noch Tintenkuli.

Sprecherin:
Verlassen wir die Markthalle und gehen ein Stockwerk nach oben, stehen wir auf einem der elf Bahnsteige. Denn, man glaubt es kaum, hier fahren auch Züge. An Gleis fünf und sechs halten Züge, die Richtung Süden weiterfahren. Dort arbeitet Marco Frangot. Er ist für den reibungslosen Ablauf des Zugverkehrs zuständig. Diese Aufgabe ist nicht immer einfach, denn immerhin fahren täglich 1500 Züge durch den Kölner Hauptbahnhof.

Marco Frangot:
"Ja, ich bin also hier als Verkehrsaufsicht eingesetzt, auf allen Bahnsteigen. Unsere Aufgabe ist hier, neben der Kundenbetreuung, eben die Abfahrt der Züge. Bei Unregelmäßigkeiten mitzuarbeiten, Umleitungsaufträge und so weiter. Information der Reisenden, Service auch vor Ort."

Sprecher:
Als Unregelmäßigkeit bezeichnet Herr Frangot die Verspätung von Zügen. Denn leider müssen die Fahrgäste manchmal mit solchen Unregelmäßigkeiten rechnen, wie dieser Mann bestätigen kann:

O-Ton:
"Heute Morgen – Verspätung, gestern – Verspätung und im Moment sieht es wieder so aus."

Sprecherin:
Wenn ein Zug Verspätung hat, werden die Reisenden über Lautsprecher darüber informiert. Nur kann man diese Durchsagen manchmal kaum verstehen. Die Redewendung ich versteh' nur Bahnhof hat damit allerdings nichts zu tun.

O-Ton:
"Also, wenn einer sagt, ich versteh' nur Bahnhof, dann hat er also den Kontext oder so, was der andere einem sagen wollte, nicht verstanden."

Sprecher:
Der Kontext ist das, was um den eigentlichen Text herum steht. Er ist eine inhaltliche Ergänzung zu dem, was eigentlich gesagt wurde und verstanden werden soll. Oft wird auch von dem sozialen Kontext gesprochen. Damit ist das soziale Umfeld einer Person gemeint, also Familie, Beruf oder der Wohnort.

Sprecherin:
Wir sind nun am Ende mit unserem Rundgang durch den Kölner Hauptbahnhof angelangt. Sie werden festgestellt haben, dass es ein ziemlich großer Bahnhof ist, wo sich viele Menschen aufhalten. Die Redewendung einen großen Bahnhof machen wollen wir uns nun, zum Schluss, erläutern lassen:

O-Ton:
"Einen großen Aufwand betreiben. Für ein Fest einen größeren Aufwand betreiben oder für einen Empfang. Gibt eben große Bahnhöfe und kleine Bahnhöfe und ein großer Bahnhof ist eben großer Aufwand, viele Leute und viel los."


Fragen zum Text:

Wie werden Wohnungslose, Behinderte oder psychisch Kranke oft bezeichnet?
1. als Wirtshauskunden
2. als Randgruppen
3. als Subkultur

Welche dieser Redewendungen drückt aus, dass im Leben einer Person nicht mehr viel passieren wird?
1. er versteht nur Bahnhof
2. der Zug ist für ihn abgefahren
3. sein Leben ist ein Bahnhof

Leute, die jeden Tag zwischen ihrer Arbeit und ihrem Wohnort hin- und herfahren, nennt man …?
1. Klienten
2. Punks
3. Pendler


Arbeitsauftrag:
Gibt es in Ihrer Stadt einen Bahnhof? Beschreiben Sie ihn oder den in der nächstgrößeren Stadt: Welche Geschäfte gibt es auf diesem Bahnhof und was für Menschen arbeiten dort? Was fehlt Ihrer Meinung nach auf dem Bahnhof?


Autor: Cornelia Stenull
Redaktion: Ingo Pickel

 

 
 

Feedback »Versenden »Drucken »

Weitere Schlagzeilen



 

DW-TV EUROPA live

Journal - With Interview

We're sorry, due to legal issues this content can not be transmitted as live stream.

If you are inside the United States, it is still possible for you to enjoy DW-TV. For more information, please click here.

Wort der Woche
Kohldampf

Lernen Sie ein kurioses deutsches Wort kennen!

Gewinnspiel im November
Noxon radio

Gewinnen Sie ein NOXON iRadio von TerraTec!

Immer dabei
Ein MP3-Player

Abonnieren Sie unsere Angebote als Podcast