Gewalt gegen Frauen in Kenia: Männer und Jungen zum Umdenken bewegen | women-and-media | DW | 08.03.2024
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Women and Media

Gewalt gegen Frauen in Kenia: Männer und Jungen zum Umdenken bewegen

Die jüngste Welle der Gewalt gegen Frauen mit Dutzenden Todesfällen veranlasst Mitarbeiterinnen in Projekten der DW Akademie, mehr Aufmerksamkeit und sozialen Wandel in Kenia zu fordern.

Die DW Akademie hat sich in den vergangenen Jahren gemeinsam mit verschiedenen Organisation in Ostafrika für Frauenrechte eingesetzt, insbesondere im Projekt Women@Web, das zum Ziel hatte, Frauen die sichere und gleichberechtigte digitale Teilhabe zu gewähren. Die Initiative wurde im Jahr 2018 gegründet und ermöglichte Frauen in Ostafrika, digitale Kompetenz zu erlernen und Online-Gewalt zu erkennen. In dem Projekt wurden sowohl Workshops als auch Studien zu einer sicheren und inklusiven Teilhabe von Frauen in der digitalen Sphäre durchgeführt.

Wir haben Vertreterinnen von zwei Partnerorganisationen befragt anlässlich der jüngsten Gewaltwelle gegen Frauen – allein im Januar 2024 wurden 31 Fälle den Behörden gemeldet. In den Jahren von 2019 bis 2024 waren 500 Fälle bekannt geworden. Was kann gegen diese Gewalt gegen Frauen getan werden?

Cherie Oyier, Beauftragte für digitale Rechte von Frauen beim Kenya ICT Action Network (KICTANet), einer Denkfabrik, die sich für eine Internetreform einsetzt, und Sharon Kechula, Geschäftsführerin der Association of Media Women in Kenia, sind der Meinung, dass sowohl die Einbeziehung von Männern –  und insbesondere von Jungen –  als auch die Unterstützung von Frauen, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt geworden sind, notwendige Ansätze sind.

Gefährliche Normen und Patriarchat: die Saat für frauenfeindliche Werte

Cherie Oyier

Cherie Oyier, Beauftragte für digitale Rechte von Frauen beim Kenya ICT Action Network

„Wir müssen Männer und Jungen in unsere Kampagnen einbeziehen, denn die Saat für frauenfeindliche Werte wird schon früh gelegt“, so Oyier. „Wenn wir uns jetzt nicht darum kümmern, riskieren wir ein größeres Problem, wenn diese jungen Menschen heranwachsen und sich die schädlichen Überzeugungen verfestigen.“

Das spiegeln auch Studien wieder, die zeigen, dass Frauenmorde oft nicht spontan geschehen, sondern nach einer Phase eskalierender Gewalt. Nach Daten von Africa Data Hub aus den vergangenen acht Jahren, wurden 75 Prozent der weiblichen Mordopfer von ihnen nahestehenden Personen wie Familienangehörigen oder Partnern getötet, wobei der Ehemann oder der eigene Freund die Liste anführen.

Opfer von Gewalt müssen psychosoziale und psychologische Hilfen bekommen

Sharon Kechula

Sharon Kechula, Geschäftsführerin der Association of Media Women in Kenia

Sharon Kechula verweist auf tief verwurzelte kulturelle Normen und das Patriarchat in Kenia. „Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wird durch ein tief verwurzeltes Patriarchat angeheizt, in dem bestimmte Kulturen die männliche Überlegenheit begünstigen“, erklärt sie. „Frauen, vor allem in einigen Haushalten, werden in traditionelle Rollen zurückgedrängt, was den Kreislauf der Gewalt noch verstärkt. Femizide zu verhindern erfordert Zusammenarbeit: sowohl bei der Stärkung der psychosozialen Dienste als auch beim Dialog zwischen den Generationen und bei der Gewährleistung, dass Gesetze nicht nur geschrieben, sondern auch umgesetzt werden.“

Frauen, die zur Zielscheibe von Gewalt geworden sind, sollten laut Oyier idealerweise durch psychosoziale Unterstützung entschädigt werden. „Die Opfer sollten nicht nur eine Entschädigung als Strafe für die Täter erhalten, sondern auch psychosoziale Unterstützung“, sagt sie. „Die Bereitstellung von staatlichen Mitteln für psychosoziale Dienste gewährleistet einen ganzheitlichen Ansatz innerhalb des gesetzlichen Rahmens.“

Trotz dieser Herausforderungen sind sowohl Oyier als auch Kechula hoffnungsvoll. „Es ist ein langer Weg“, so Oyier, „aber mit gezielten Initiativen und kollektiver Verantwortung können wir eine Zukunft anstreben, in der sowohl Frauen als auch Männer Sicherheit finden.“

 

Der Autor Moses Mutente ist Project Officer und Team Visibility Lead für die DW Akademie in Uganda und Ostafrika.

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