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Gegner des Fundamentalismus

Daphne Springhorn19. Februar 2003

Viel wurde in den letzten Jahren über den Islam geschrieben, oft entweder knochentrocken oder aus sehr persönlicher Sicht. Der iranische Journalist und Autor Mostafa Danesch hat einen Mittelweg gefunden.

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Blick auf den Islam: Mostafa DaneschBild: presse

"Ich bin nach Deutschland gekommen, weil ich mich politisch entfalten wollte", sagt Mostafa Danesch. 1944 wurde er im Iran geboren, doch unter dem Regime des Schahs gab es "keine politischen Freiheiten". So kam er 1965 zum Studieren nach Deutschland und blieb. Seit 20 Jahren arbeitet er nun schon als freier Journalist für Fernsehen und Nachrichtenmagazine.

Als der Iraner nach Deutschland kam, ahnte er zunächst nicht, dass er bleiben würde. Zwar war er ein entschiedener Gegner des Schahregimes, doch hoffte er auf einen demokratischen Neuanfang im Iran, insbesondere nach der Revolution 1979. Er merkte jedoch bald, dass auch Ayatollah Chomeini ein Despot war, der mit brutalsten Mitteln seine innenpolitischen Gegner ausschaltete. Seitdem hat Danesch es sich zur Aufgabe gemacht, über die Entwicklung des fundamentalistischen Islam, nicht nur in der arabischen Welt, sondern auch in Deutschland zu berichten.

Fundamentalisten gefährliche Minderheit

Mostafa Danesch Wer Allahs Wort missbraucht Krisenherd islamische Welt
Mostafa Danesch: 'Wer Allahs Wort missbraucht. Krisenherd islamische Welt'

Der fundamentalistische Islam in den arabischen Ländern pflege nämlich, so Danesch, enge Kontakte mit dem fundamentalistischen Islam in Deutschland. Schon immer hat er auf die Gefahren hingewiesen, die damit einhergehen.

Obwohl auch ein Bruder Daneschs dem Regime von Chomeini zum Opfer fiel, will der Journalist nicht pauschal verurteilen. Er differenziert stets zwischen dem Islam als Religion und dem Missbrauch des Islam durch die Regime in der arabischen Welt: Die Mehrheit der in Deutschland lebenden drei Millionen Muslime sei liberalisiert und säkularisiert. Nur eine Minderheit sei fundamentalistisch eingestellt, aber leider beherrsche sie die islamischen Gemeinden, Moscheen und Institutionen in Deutschland.

Import-Islam in Deutschland

Betende Muslime in Kreuzberg
Betende Muslime in KreuzbergBild: AP

Als säkularisierter Muslim hat Danesch praktisch keinen Zutritt zu den Moscheen, denn die werden meist von Fundamentalisten beherrscht. Dieser Islam in Deutschland sei mit seinen Moscheen und Geistlichen eine" Import-Institution", so Danesch. Es gebe enge Kontakte zwischen den islamischen Institutionen in der islamischen Welt und den Institutionen hier in Deutschland.

Das gut funktionierende Netz, das die Fundamentalisten geschaffen haben, sei nicht erst in den letzten Jahren entstanden, merkt der Kritiker an. Es sei das Ergebnis eines jahrzehntelangen Prozesses, von dessen Gefahren man in Deutschland lange nichts wissen wollte. Bis zum 11. September 2001.

Ursprung im Kalten Krieg

Den Ursprung des gewalttätigen Islamismus sieht der promovierte Politologe im Kalten Krieg und in der politischen und wirtschaftlichen Misere der arabischen Staaten. Kein neuer Ansatz, sondern das, worüber Danesch schon seit Jahren berichtet. Es sind vor allem seine abenteuerlichen Berichte aus Afghanistan, dem Iran und der arabischen Welt, die sein neuestes Buch "Wer Allahs Wort missbraucht" lesenwert machen. Wie die Probleme gelöst werden können, weiß auch Danesch nicht. Doch glaubt er, dass man beispielsweise in Deutschland schon vieles erreichen könne, wenn man die liberalen Muslime stärken würde.