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Der Volkswagen unter den Windanlagen

Johannes Beck23. September 2004

Einst belächelt, hat sich die Windenergie-Branche zu einem Wirtschaftszweig mit Milliarden-Umsätzen entwickelt. Symbolhaft für diesen Wandel steht Aloys Wobben mit seiner Firma Enercon aus Ostfriesland.

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Montage in luftiger HöheBild: AP

In einer Garage hat Wobben vor 20 Jahren sein Unternehmen gestartet - mit nur einer Angestellten. Heute beschäftigt er weltweit über 5000 Menschen und ist Herr des zweitgrößten Windanlagenbauers der Welt. 1984 gab der Elektroingenieur seine Stelle als Assistent an der Technischen Universität Braunschweig auf, um sich in Aurich mit seiner neuen Firma Wobben Enercon selbständig zu machen.

Technische Innovationen

Die Windenergie steckte damals in Deutschland noch in den Kinderschuhen und galt als nicht ausgereift. Den entscheidenden Sprung nach vorne brachte erst 1994 die Entwicklung der getriebelosen Windanlage. Dieses einzigartige Konzept sichert seitdem den Aufschwung der Firma und konnte bisher von keinem Konkurrenten erfolgreich kopiert werden.

Darüber hinaus hat Enercon in den vergangenen Jahren beispielsweise Techniken entwickelt, um Windturbinen nach Netzkurzschlüssen oder heftigen Sturmböen nicht mehr abschalten zu müssen. Das hilft, die Windanlagen besser ins Netz einzupassen. Im Kammerbezirk Ostfriesland kommt der Windstrom inzwischen schon auf einen Anteil von 54 Prozent an der gesamten Elektrizität - das ist deutscher Rekord.

Mit der E-112, der größten Maschine im Programm, ist Enercon als erster Hersteller der Welt in die 5-Megawatt-Klasse vorgestoßen. Noch stehen aber nur wenige dieser Anlagen, denen man besonders auf hoher See, dem so genannten Offshore-Bereich eine große Zukunft voraussagt. Sie werden im zweiten Werk in Magdeburg montiert. Dort hat Enercon 1998 die Fabrikanlagen des ehemaligen DDR-Unternehmens Sket übernommen.

Weltweit aktiv

Mehr als 7000 Windanlagen hat Enercon bereits installiert. 5000 stehen davon in Deutschland - hier ist man mit 40 Prozent Anteil Marktführer. Der Jahresumsatz wird inzwischen auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Im Ausland drehen sich etwa 2000 Turbinen aus Ostfriesland. Weltweit kommt das Unternehmen so auf einen Anteil von etwa 19 Prozent. Nur Vestas aus Dänemark baut mehr Anlagen.

Enercon fertigt inzwischen zunehmend außerhalb Deutschlands und auch in den Märkten des Südens wurden Fabriken aufgebaut. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt z.B. in Indien, das bereits jetzt der fünftgrößte Windturbinen-Standort der Welt ist. Auf allen Kontinenten stehen Enercon-Windräder: Von Norwegen über Marokko bis zur Antarktis. Dort versorgen drei Maschienen zusammen mit einem Dieselgenerator die australische Forschungsstation Mawson mit Strom.

Service als Erfolgsrezept

Wenn irgendwo auf der Welt mal eine Anlage still stehen sollte, weil sie vereist ist, die Flügel angebrochen sind oder die Elektronik versagt, dann greift das so genannte Scada-Konzept. Dieses ermöglicht es den Technikern, vom "Hauptquartier" in Aurich aus per Computer und Modem jede Anlage direkt anzuwählen und sich mit ihr verbinden zu lassen. Damit die Reparaturen einfach und überschaubar bleiben, hat Enercon nur wenige Turbinentypen im Angebot. Der aktuelle Firmenprospekt zählt gerade einmal fünf Modelle. In Umfragen unter den Betreibern von Windanlagen erhält die Firma seit Jahren regelmäßig Bestnoten in punkto Service. Dabei ist die Idee nicht neu, sagt Wobben: "Wenn sie mal das Erfolgsrezept von Volkswagen sehen: Jede Tankstelle hatte früher in Deutschland Ersatzteile für den Käfer."

Doch Aloys Wobben ruht sich auf dem Erfolg nicht aus. Sein nächstes Projekt: Er will mit Hilfe von Wasserstoff in Zukunft Windenergie speichern und transportieren können.